Spon­dy­lo­se beim Hund: Sym­pto­me, Behand­lung und was Phy­sio­the­ra­pie leis­ten kann

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Spon­dy­lo­se ist eine der häu­figs­ten Dia­gno­sen, die älte­re Hun­de nach einem Rönt­gen­bild bekom­men. Gemeint sind knö­cher­ne Zacken und Brü­cken, die an der Unter­sei­te der Wir­bel­kör­per wach­sen und benach­bar­te Wir­bel nach und nach mit­ein­an­der ver­bin­den. Vie­le Hun­de haben sie, ohne dass sie etwas mer­ken. Ande­re wer­den steif im Rücken, ste­hen schwer auf und mögen nicht mehr sprin­gen.

Wel­ches von bei­dem auf dei­nen Hund zutrifft, lässt sich vom Rönt­gen­bild allein nicht able­sen. Dafür braucht es den Blick auf das, was der Hund im All­tag zeigt. Genau da setzt die Phy­sio­the­ra­pie an. Als tier­ärzt­lich geprüf­te Tier­phy­sio­the­ra­peu­tin (in Aus­bil­dung) sehe ich Spon­dy­lo­se fast nur bei Hun­den, die wegen etwas ande­rem kom­men. Oft ist die Fra­ge, ob die Spon­dy­lo­se über­haupt der Grund für die Beschwer­den ist. Hier fin­dest du, was Spon­dy­lo­se ist, wel­che Hun­de sie bekom­men, wor­an du sie erkennst, wie sie von ande­ren Rücken­er­kran­kun­gen unter­schie­den wird und was dei­nem Hund hilft.

Älterer brauner Labrador mit grauer Schnauze steht seitlich mit leicht gerundetem Rücken auf Holzboden
Spon­dy­lo­se beim Hund: Ein gerun­de­ter Rücken und unter den Kör­per gestell­te Hin­ter­bei­ne sind typi­sche Zei­chen für einen stei­fen, schmerz­haf­ten Rücken

Das Wich­tigs­te in Kür­ze zu Spon­dy­lo­se beim Hund

Spon­dy­lo­se ist eine Ver­schleiß­erschei­nung der Wir­bel­säu­le, bei der sich an den Rän­dern der Wir­bel­kör­per Kno­chen­za­cken bil­den, die benach­bar­te Wir­bel ver­stei­fen kön­nen. Sie ist bei älte­ren Hun­den häu­fig, oft ein Zufalls­be­fund und macht nur dann Beschwer­den, wenn Brü­cken die Beweg­lich­keit ein­schrän­ken oder Ner­ven rei­zen. Behan­delt wird nicht die Spon­dy­lo­se selbst, son­dern Schmerz und Steif­heit, mit Schmerz­mit­teln, Phy­sio­the­ra­pie, Gewichts­ma­nage­ment und ange­pass­ter Bewe­gung.

  • In einer Rönt­gen­stu­die an über 2.000 Ras­se­hun­den hat­te etwa jeder fünf­te Hund Spon­dy­lo­se, bei Boxern sind es über 80 Pro­zent.
  • Stei­fer Rücken beim Auf­ste­hen, Ver­mei­den von Sprün­gen und Trep­pen und Emp­find­lich­keit beim Strei­cheln über die Len­de sind die typi­schen Zei­chen.
  • Spon­dy­lo­se, Band­schei­ben­vor­fall und Cau­da-equi­na-Syn­drom sehen im All­tag ähn­lich aus. Die Unter­schei­dung ist Sache der Tier­arzt­pra­xis.
  • Bewe­gung ist Teil der Behand­lung: regel­mä­ßig, gleich­mä­ßig, ohne Sprün­ge und abrup­te Dre­hun­gen.
  • Die Kno­chen­brü­cken ver­schwin­den nicht mehr. Mit Schmerz­kon­trol­le und Mus­ku­la­tur lässt sich damit über Jah­re gut leben.

Was ist Spon­dy­lo­se beim Hund?

Spon­dy­lo­se, genau­er Spon­dy­lo­sis deform­ans, ist eine dege­ne­ra­ti­ve Ver­än­de­rung der Wir­bel­säu­le, bei der der Kör­per an den Rän­dern der Wir­bel­kör­per neu­en Kno­chen bil­det. Die­se Kno­chen­za­cken, soge­nann­te Osteo­phy­ten, wach­sen meist an der Unter­sei­te der Wir­bel­kör­per, also zur Bauch­sei­te hin. Zwi­schen zwei benach­bar­ten Wir­beln wach­sen sie auf­ein­an­der zu. Tref­fen sie sich, ent­steht eine Kno­chen­brü­cke, die die bei­den Wir­bel mit­ein­an­der ver­bin­det und das Gelenk dazwi­schen ver­steift.

Der Aus­lö­ser ist der Ver­schleiß der Band­schei­be. Jede Band­schei­be ist ein Puf­fer zwi­schen zwei Wir­beln. Ver­liert sie mit dem Alter an Höhe und Elas­ti­zi­tät, wird der Abschnitt beweg­li­cher, als er sein soll­te. Die­se über­schüs­si­ge Beweg­lich­keit ist das eigent­li­che Pro­blem. An der Unter­sei­te der Wir­bel­kör­per ver­läuft das ven­tra­le Längs­band, das mit Fasern in die Rän­der der Wir­bel­kör­per und in die Band­schei­be ein­strahlt. Wird es bei jeder Bewe­gung an die­sen Ansät­zen gezerrt, reagiert der Kör­per so, wie er auf dau­er­haf­te Rei­zung an Kno­chen­an­sät­zen immer reagiert: Er baut dort Kno­chen an. Das Band ver­knö­chert an sei­nen Ansät­zen, erst als Sporn, dann als Zacke, zuletzt als Brü­cke. Spon­dy­lo­se ist des­halb kei­ne Ent­zün­dung und kei­ne Krank­heit im eigent­li­chen Sinn, son­dern der Ver­such des Kör­pers, ein zu locker gewor­de­nes Seg­ment selbst zu ver­stei­fen.

Am häu­figs­ten ent­steht Spon­dy­lo­se dort, wo die Wir­bel­säu­le am meis­ten arbei­tet: am Über­gang von der Brust- zur Len­den­wir­bel­säu­le, in der Len­den­wir­bel­säu­le und am Über­gang vom letz­ten Len­den­wir­bel zum Kreuz­bein, der Stel­le, die beim Hund jeden Sprung und jedes Auf­ste­hen abfängt.

Wel­che Hun­de bekom­men Spon­dy­lo­se?

Spon­dy­lo­se ist vor allem eine Fra­ge des Alters. Eine Rönt­gen­stu­die an 2.041 Ras­se­hun­den fand sie bei 18 Pro­zent aller Hun­de. Die betrof­fe­nen Hun­de waren deut­lich älter als die ohne Befund. Je älter der Hund, des­to mehr Stel­len sind betrof­fen und des­to aus­ge­präg­ter sind die Brü­cken.

Dazu kommt die Ras­se. Boxer sind mit Abstand am häu­figs­ten betrof­fen: In einer Unter­su­chung an 849 ita­lie­ni­schen Boxern hat­ten 84 Pro­zent Spon­dy­lo­se. Die Hälf­te zeig­te an min­des­tens einer Stel­le eine voll­stän­di­ge Brü­cke. Die Nei­gung dazu ist beim Boxer erb­lich, wes­halb eini­ge Zucht­ver­bän­de die Wir­bel­säu­le rönt­gen las­sen. Auch Rott­wei­ler und ande­re gro­ße, schwe­re Ras­sen bekom­men häu­fi­ger Spon­dy­lo­se. Bei Rott­wei­lern stieg das Risi­ko in einer Unter­su­chung mit jedem Lebens­jahr, und Hün­din­nen waren deut­lich häu­fi­ger betrof­fen als Rüden.

Wel­che Sym­pto­me macht Spon­dy­lo­se beim Hund?

Die meis­ten Hun­de mit Spon­dy­lo­se haben kei­ne Beschwer­den. Die Brü­cken sind ein Zufalls­be­fund auf einem Rönt­gen­bild, das aus einem ande­ren Grund gemacht wur­de. Eine Stu­die an 172 Hun­den fand sogar, dass Hun­de mit Rücken­be­schwer­den durch einen Band­schei­ben­vor­fall weni­ger und mil­de­re Spon­dy­lo­se hat­ten als Hun­de ohne sol­che Beschwer­den. Die Brü­cken sind also nicht die Ursa­che, wenn der Rücken plötz­lich schmerzt. Wo Spon­dy­lo­se aber Beschwer­den macht, sehen sie so aus:

  • Stei­fer Rücken, beson­ders nach dem Lie­gen und mor­gens, der Hund läuft sich erst ein
  • Mühe beim Auf­ste­hen, Hin­le­gen und beim Wech­sel vom Sit­zen ins Ste­hen
  • Ver­mei­den von Sprün­gen aufs Sofa, ins Auto, über Hin­der­nis­se
  • Zögern an Trep­pen, Stu­fen wer­den mit bei­den Hin­ter­bei­nen gleich­zei­tig genom­men
  • Auf­ge­zo­ge­ner, gerun­de­ter Rücken im Stand, die Hin­ter­bei­ne wei­ter unter den Kör­per gestellt
  • Zucken, Weg­du­cken oder Knur­ren beim Strei­cheln oder Bürs­ten über der Len­de
  • Vor­sich­ti­ges, kurz­schrit­ti­ges Gang­bild der Hin­ter­hand, Hund dreht sich im Gan­zen statt die Wir­bel­säu­le zu bie­gen
  • Weni­ger Lust auf Bewe­gung, kür­ze­re Spa­zier­gän­ge, Rück­zug

Schmerz ent­steht bei Spon­dy­lo­se auf zwei Wegen. Wach­sen­de Zacken, die noch kei­ne Brü­cke bil­den, rei­zen das umlie­gen­de Gewe­be und schmer­zen bei jeder Bewe­gung, die den Abschnitt beugt oder dreht. Fer­ti­ge Brü­cken schmer­zen dage­gen oft nicht mehr, dafür ist der Abschnitt steif. Die Nach­bar­wir­bel müs­sen die Bewe­gung über­neh­men, die er nicht mehr leis­tet. Die­se Mehr­be­las­tung führt dort zu Ver­schleiß und Ver­span­nun­gen. In sel­te­nen Fäl­len wach­sen die Zacken in Rich­tung der Ner­ven­aus­trit­te und drü­cken auf Ner­ven­wur­zeln, dann kom­men Schmer­zen beim Berüh­ren, Schwä­che oder Gefühls­stö­run­gen in den Hin­ter­bei­nen dazu.

Vie­le die­ser Zei­chen sind lei­se. Hal­te­rin­nen und Hal­ter schie­ben sie aufs Alter. Wel­che Anzei­chen für Schmer­zen Hun­de sonst noch zei­gen, hilft beim Ein­ord­nen.

Spon­dy­lo­se, Band­schei­be oder Cau­da equi­na: Wie wird unter­schie­den?

Rücken­be­schwer­den beim älte­ren Hund haben sel­ten nur eine Ursa­che. Spon­dy­lo­se, Band­schei­ben­ver­schleiß, das Cau­da-equi­na-Syn­drom und Arthro­se in Hüf­te oder Knie kom­men bei den­sel­ben Hun­den vor, oft gleich­zei­tig. Im All­tag machen sie ähn­li­che Zei­chen. Die Unter­schei­dung ist wich­tig, weil die Behand­lung sich unter­schei­det.

Erkran­kungWas pas­siertTypi­sche Zei­chenUnter­schied zur Spon­dy­lo­se
Spon­dy­lo­seKno­chen­brü­cken an den Wir­bel­kör­pern, Ver­stei­fungSteif­heit, Mühe beim Auf­ste­hen, Rücken emp­find­lich, lang­sam zuneh­mend, meist ohne neu­ro­lo­gi­sche Aus­fäl­le
Band­schei­ben­vor­fallBand­schei­ben­ma­te­ri­al drückt auf das Rücken­markplötz­lich star­ke Schmer­zen, Lahm­heit bis Läh­mung, oft nach Sprungakut, oft mit Aus­fäl­len, Not­fall
Cau­da-equi­na-Syn­dromEin­engung der Ner­ven am Über­gang zum Kreuz­beinSchmerz beim Drü­cken auf die Len­de, Schwä­che der Hin­ter­hand, Rute hängt, Kot- oder Harn­ab­satz gestört, Pfo­ten wer­den nach­ge­schleiftneu­ro­lo­gi­sche Zei­chen, Hund spürt die Pfo­ten schlech­ter
Hüft­ar­thro­seVer­schleiß des Hüft­ge­lenksHüft­schwung, Hop­peln auf der Trep­pe, Schmerz beim Stre­cken der Hüf­teSchmerz sitzt im Gelenk, nicht im Rücken

Eine Spon­dy­lo­se am Über­gang zum Kreuz­bein und ein Cau­da-equi­na-Syn­drom sit­zen an der­sel­ben Stel­le. Das eine kann das ande­re begüns­ti­gen. Ara­gon hat­te bei­des. Es war nie ein­deu­tig, wel­ches von bei­den die Beschwer­den mach­te. Genau das ist bei vie­len älte­ren Hun­den die Rea­li­tät: Das Rönt­gen­bild zeigt die Spon­dy­lo­se, weil sie sich gut rönt­gen lässt, die Ner­ven­ein­en­gung sieht man dar­auf nicht. Des­halb reicht ein Rönt­gen­bild nicht aus, um die Beschwer­den einem Befund zuzu­ord­nen. Die neu­ro­lo­gi­sche Unter­su­chung, also das Prü­fen von Refle­xen, Stell­re­ak­tio­nen und Schmerz­re­ak­ti­on beim Druck auf die Len­de, ist Teil jeder Abklä­rung. Bei Ver­dacht auf eine Ner­ven­ein­en­gung ist ein CT oder MRT der nächs­te Schritt.

Abzu­gren­zen ist auch die DISH, die dif­fu­se idio­pa­thi­sche Ske­let­t­hy­per­osto­se. Sie sieht auf dem Rönt­gen­bild aus wie eine sehr aus­ge­präg­te Spon­dy­lo­se, betrifft aber meh­re­re Wir­bel in Fol­ge mit flie­ßen­den Kno­chen­span­gen an der Sei­te der Wir­bel­kör­per und kommt häu­fig zusam­men mit Spon­dy­lo­se vor. Für den Hund macht das prak­tisch kei­nen Unter­schied, die Behand­lung ist die­sel­be.

Wie wird Spon­dy­lo­se beim Hund dia­gnos­ti­ziert?

Die Dia­gno­se stellt die Tier­arzt­pra­xis mit einem Rönt­gen­bild der Wir­bel­säu­le, meist in seit­li­cher Auf­nah­me. Die Kno­chen­za­cken und Brü­cken sind dar­auf gut zu sehen. Ein­ge­teilt wer­den sie nach Aus­prä­gung: vom klei­nen Sporn an der Wir­bel­kan­te über Zacken, die auf­ein­an­der zuwach­sen, bis zur voll­stän­di­gen Brü­cke. Das Rönt­gen­bild zeigt aber nur den Kno­chen. Ob der Hund Schmer­zen hat und woher sie kom­men, ergibt sich aus der kli­ni­schen Unter­su­chung: Abtas­ten der Wir­bel­säu­le und der Rücken­mus­ku­la­tur, Prü­fen der Beweg­lich­keit, neu­ro­lo­gi­sche Tests und das, was du aus dem All­tag berich­test.

Ein aus­ge­präg­ter Rönt­gen­be­fund bedeu­tet nicht auto­ma­tisch star­ke Schmer­zen. Ein mil­der Befund schließt sie nicht aus. Das habe ich in der Aus­bil­dung mehr­fach gese­hen, bei Spon­dy­lo­se genau­so wie bei Arthro­se. Des­halb zählt bei der Ent­schei­dung über die Behand­lung das Ver­hal­ten des Hun­des mehr als das Bild. Ein Schmerz­mit­tel auf Pro­be ist ein aner­kann­tes Mit­tel, um die Fra­ge zu klä­ren: Wird der Hund dar­un­ter beweg­li­cher und fröh­li­cher, waren die Schmer­zen da.

Wie wird Spon­dy­lo­se beim Hund behan­delt?

Die Kno­chen­brü­cken las­sen sich nicht rück­gän­gig machen. Eine Ope­ra­ti­on ist bei Spon­dy­lo­se nur in sel­te­nen Fäl­len nötig, wenn Zacken auf Ner­ven drü­cken. Behan­delt wer­den des­halb Schmerz, Steif­heit und die Fol­gen für Mus­ku­la­tur und Nach­bar­ge­len­ke. Die Behand­lung hat vier Bau­stei­ne. Sie wir­ken nur zusam­men.

Schmerz­mit­tel

Bei aku­ten Schmer­zen und in Pha­sen, in denen der Hund sich schont, ver­ord­net die Tier­arzt­pra­xis meist ein ent­zün­dungs­hem­men­des Schmerz­mit­tel wie Meloxi­cam oder Car­profen. Es nimmt den Schmerz und macht Bewe­gung wie­der mög­lich. Das ist bei Spon­dy­lo­se der eigent­li­che Zweck: Ein Hund, der sich wegen Schmer­zen nicht mehr bewegt, ver­liert Mus­ku­la­tur. Ohne Mus­ku­la­tur wird die Wir­bel­säu­le insta­bi­ler und schmerzt mehr. Bei Ner­ven­schmer­zen kom­men Wirk­stof­fe wie Gaba­pen­tin dazu. Wel­che Schmerz­mit­tel für Hun­de es gibt und wie sie sich unter­schei­den, hängt vom Schmerz­typ ab.

Phy­sio­the­ra­pie

Aus phy­sio­the­ra­peu­ti­scher Sicht ist Spon­dy­lo­se vor allem ein Pro­blem der Mus­ku­la­tur. Ein Hund mit stei­fem Rücken spannt die Mus­ku­la­tur über der Len­de dau­er­haft an, um den Bereich zu schüt­zen. Die­se Ver­span­nung schmerzt irgend­wann mehr als die Brü­cken selbst. Sie zieht sich bis in die Hin­ter­hand. In der Hun­de­phy­sio­the­ra­pie arbei­te ich des­halb zuerst an der Mus­ku­la­tur: Wär­me und Mas­sa­ge lösen die Ver­span­nung über der Len­de, sanf­te Mobi­li­sa­ti­on erhält die Beweg­lich­keit der Nach­bar­seg­men­te, die noch beweg­lich sind. Weil die Ursa­che der Spon­dy­lo­se eine zu gro­ße Beweg­lich­keit ist, ist das Ziel der Übun­gen Sta­bi­li­tät, nicht maxi­ma­le Beweg­lich­keit. Kräf­ti­ge Deh­nun­gen oder Mani­pu­la­tio­nen über den betrof­fe­nen Wir­beln sind des­halb fehl am Platz. Geziel­te Übun­gen bau­en statt­des­sen die tie­fe Rücken­mus­ku­la­tur und die Bauch­mus­ku­la­tur auf, die die Wir­bel­säu­le von innen sta­bi­li­sie­ren und dem Kör­per die Arbeit abneh­men, die er sonst mit Kno­chen erle­digt. Übun­gen zur Gewichts­ver­la­ge­rung, lang­sa­mes Rück­wärts­ge­hen, Sitz-Steh-Wech­sel und Ste­hen auf einem wei­chen Unter­grund rei­chen dafür aus. Ein Balan­ce­kis­sen mit viel Luft ist das pas­sen­de Gerät, Unter­was­ser­lauf­band und Schwim­men ent­las­ten die Wir­bel­säu­le beim Mus­kel­auf­bau zusätz­lich.

Physiotherapeutin legt beide Hände flach auf die Lendenwirbelsäule eines älteren Labradors auf der Behandlungsliege
Bei Spon­dy­lo­se beginnt die Phy­sio­the­ra­pie an der Mus­ku­la­tur über der Len­de, die den stei­fen Abschnitt schützt

Kine­sio­tape set­ze ich bei Spon­dy­lo­se gern ergän­zend ein. Die typi­sche Anla­ge ist das Lei­ter­tape: Längs­strei­fen rechts und links der Wir­bel­säu­le, dazwi­schen kur­ze Quer­strei­fen über den Dorn­fort­sät­zen der betrof­fe­nen Wir­bel. Es gibt dem Hund über die Haut stän­dig Rück­mel­dung über sei­nen Rücken und ent­las­tet die Mus­ku­la­tur.

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Gewicht

Jedes Kilo zu viel las­tet auf der Wir­bel­säu­le und auf den Gelen­ken, die die Steif­heit aus­glei­chen müs­sen. Bei einem Hund mit Spon­dy­lo­se ist Über­ge­wicht des­halb kein Schön­heits­pro­blem, son­dern der Fak­tor, den du am direk­tes­ten beein­flus­sen kannst. Ein schlan­ker Hund mit Spon­dy­lo­se kommt mit deut­lich weni­ger Schmerz­mit­tel aus als ein über­ge­wich­ti­ger mit dem­sel­ben Rönt­gen­bild.

Bewe­gung

Bewe­gung ist bei Spon­dy­lo­se Teil der Behand­lung, nicht ihr Gegen­teil. Ent­schei­dend ist die Art: regel­mä­ßig, gleich­mä­ßig und ohne Spit­zen. Meh­re­re kur­ze Spa­zier­gän­ge am Tag auf wei­chem, grif­fi­gem Boden erhal­ten Mus­ku­la­tur und Beweg­lich­keit. Scho­nen wür­de die Mus­ku­la­tur abbau­en, die der Rücken braucht. Über­for­dern, zum Bei­spiel mit einer lan­gen Wan­de­rung nach Wochen Ruhe, führt zu Tagen vol­ler Steif­heit.

Was kann ich im All­tag für mei­nen Hund mit Spon­dy­lo­se tun?

Der All­tag ent­schei­det bei Spon­dy­lo­se mehr als jeder Ter­min in der Pra­xis. Die­se Punk­te haben sich bewährt:

  • Kei­ne Sprün­ge: Ram­pe oder Hun­de­trep­pe für Auto, Sofa und Bett. Jede Lan­dung staucht die Wir­bel­säu­le.
  • Kei­ne abrup­ten Stopps und Dre­hun­gen: Ball­spie­le mit Voll­brem­sung, wil­des Toben mit ande­ren Hun­den und Spiel­zeug, das der Hund im Sprung fängt, belas­ten genau die Abschnit­te, die bei Spon­dy­lo­se insta­bil sind.
  • Rutsch­fes­ter Boden: Auf Flie­sen und Lami­nat spannt ein Hund mit Rücken­pro­ble­men dau­er­haft an, um nicht weg­zu­rut­schen. Läu­fer und Tep­pi­che auf den Haupt­we­gen lösen das.
  • Geschirr statt Hals­band: Ein Ruck am Hals­band über­trägt sich über die Hals­wir­bel­säu­le auf den gan­zen Rücken. Ein gut sit­zen­des Geschirr ver­teilt den Zug.
  • Erhöh­ter Napf: Hun­de mit Spon­dy­lo­se in der Brust- oder Len­den­wir­bel­säu­le mögen das Bücken nicht. Ein Napf in Brust­hö­he nimmt die Beu­gung her­aus.
  • Warm hal­ten: Käl­te und Näs­se ver­stär­ken Steif­heit. Ein Hun­de­man­tel bei nass­kal­tem Wet­ter und ein war­mer, nicht zu wei­cher Lie­ge­platz ohne Zug­luft hel­fen. Eine Wärm­fla­sche oder ein Kirsch­kern­kis­sen auf der Len­de vor dem Spa­zier­gang lockert die Mus­ku­la­tur.
  • Ortho­pä­di­sches Bett: Fes­ter Schaum mit nied­ri­gem Ein­stieg, damit der Hund sich nicht ein­rol­len muss und leicht auf­steht.
  • Beob­ach­ten statt inter­pre­tie­ren: Notie­re über ein paar Wochen, an wel­chen Tagen der Hund steif ist und was davor war. Oft zeigt sich ein Mus­ter, zum Bei­spiel nach lan­gen Spa­zier­gän­gen, nach Käl­te oder nach wil­dem Spiel.

Vie­le die­ser Punk­te gel­ten für jeden alten Hund, bei Spon­dy­lo­se sind sie beson­ders wich­tig.

Wie ist die Pro­gno­se bei Spon­dy­lo­se?

Gut, wenn die Beschwer­den ernst genom­men wer­den. Spon­dy­lo­se schrei­tet lang­sam vor­an, über Jah­re. Sie ist kei­ne Erkran­kung, an der ein Hund stirbt. Die meis­ten Hun­de leben mit Schmerz­kon­trol­le, erhal­te­ner Mus­ku­la­tur und einem ange­pass­ten All­tag lan­ge und gut damit. Pro­ble­ma­tisch wird es, wenn die Schmer­zen als Alter abge­tan wer­den, der Hund sich immer weni­ger bewegt, Mus­ku­la­tur ver­liert und in einen Kreis­lauf aus Scho­nung, Insta­bi­li­tät und mehr Schmerz gerät. Die­ser Kreis­lauf ist das, was ich in der Phy­sio­the­ra­pie am häu­figs­ten sehe. Er lässt sich unter­bre­chen, auch bei alten Hun­den.

Fazit: Was Spon­dy­lo­se für dei­nen Hund bedeu­tet

Spon­dy­lo­se ist bei alten Hun­den so häu­fig, dass sie eher eine Alters­er­schei­nung ist als eine Krank­heit. Was sie für dei­nen Hund bedeu­tet, hängt nicht vom Rönt­gen­bild ab, son­dern davon, ob er Schmer­zen hat und wie viel Mus­ku­la­tur er behält. Bei­des kannst du beein­flus­sen: Schmer­zen behan­deln las­sen, statt sie dem Alter zuzu­schrei­ben, Gewicht und Sprün­ge im Griff behal­ten, den Rücken warm und die Mus­ku­la­tur in Bewe­gung hal­ten. Ein Hund mit Spon­dy­lo­se, der jeden Tag ein paar Minu­ten gezielt trai­niert wird, steht oft sta­bi­ler auf den Bei­nen als ein jün­ge­rer Hund, der nur spa­zie­ren geht.

Wei­te­re häu­fi­ge Fra­gen zu Spon­dy­lo­se beim Hund

Ist Spon­dy­lo­se beim Hund schmerz­haft?

Nicht immer. Vie­le Hun­de haben Spon­dy­lo­se, ohne etwas zu mer­ken. Schmer­zen ent­ste­hen, wenn Kno­chen­za­cken noch wach­sen, wenn Brü­cken die Beweg­lich­keit ein­schrän­ken und die Mus­ku­la­tur ver­spannt, oder wenn Zacken auf Ner­ven drü­cken. Ob dein Hund Schmer­zen hat, zeigt sein Ver­hal­ten, nicht das Rönt­gen­bild.

Kann Spon­dy­lo­se beim Hund geheilt wer­den?

Nein. Die Kno­chen­brü­cken blei­ben. Behan­delt wer­den Schmerz, Steif­heit und Mus­ku­la­tur. Damit lässt sich die Lebens­qua­li­tät über Jah­re erhal­ten.

Darf mein Hund mit Spon­dy­lo­se noch Trep­pen stei­gen?

Ja, wenn er sie sicher und ohne Schmer­zen bewäl­tigt. Trep­pen sind sogar ein gutes Trai­ning für die Hin­ter­hand, lang­sam und kon­trol­liert. Was dein Hund ver­mei­den soll­te, sind Sprün­ge, Voll­brem­sun­gen und abrup­te Dre­hun­gen.

Was ist der Unter­schied zwi­schen Spon­dy­lo­se und Cau­da-equi­na-Syn­drom?

Spon­dy­lo­se betrifft die Wir­bel­kör­per, die durch Kno­chen­brü­cken ver­stei­fen. Beim Cau­da-equi­na-Syn­drom wer­den die Ner­ven am Über­gang zum Kreuz­bein ein­ge­engt. Bei­des kann gleich­zei­tig vor­lie­gen. Die Ner­ven­ein­en­gung macht neu­ro­lo­gi­sche Zei­chen wie Schwä­che der Hin­ter­hand, hän­gen­de Rute oder Nach­schlei­fen der Pfo­ten, die Spon­dy­lo­se allein meist nicht.

Hilft Phy­sio­the­ra­pie bei Spon­dy­lo­se?

Ja, sie ist neben der Schmerz­kon­trol­le der wich­tigs­te Bau­stein. Mas­sa­ge und Wär­me lösen die Ver­span­nun­gen, Übun­gen bau­en die sta­bi­li­sie­ren­de Mus­ku­la­tur auf. Tape kann die Rücken­mus­ku­la­tur ent­las­ten. Die Übun­gen lernst du in der Pra­xis und machst sie zu Hau­se wei­ter.

Wel­che Bewe­gung ist bei Spon­dy­lo­se rich­tig?

Regel­mä­ßi­ge, gleich­mä­ßi­ge Bewe­gung ohne Sprün­ge: meh­re­re kur­ze Spa­zier­gän­ge am Tag, Schwim­men, kon­trol­lier­tes Trep­pen­stei­gen, Übun­gen auf wei­chem Unter­grund. Lan­ge Ruhe­pha­sen und dann viel auf ein­mal sind das Gegen­teil davon.

Ach­tung: Ich erstel­le mei­ne Bei­trä­ge mit gro­ßer Sorg­falt, kann aber kei­ne Gewähr für Rich­tig­keit und Voll­stän­dig­keit über­neh­men. Sie die­nen der all­ge­mei­nen Infor­ma­ti­on von Hun­de­hal­te­rin­nen und Hun­de­hal­tern und erset­zen kei­ne per­sön­li­che Bera­tung, Unter­su­chung oder Dia­gno­se durch eine Tier­ärz­tin oder einen Tier­arzt. Wen­de dich bei Fra­gen zur Gesund­heit dei­nes Hun­des, etwa zu Risi­ken und Neben­wir­kun­gen von Medi­ka­men­ten oder Fut­ter­mit­teln, immer an eine Tier­arzt­pra­xis dei­nes Ver­trau­ens.

Quel­len

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  • Jour­nal of the Ame­ri­can Ani­mal Hos­pi­tal Asso­cia­ti­on 55 (2019): Pre­va­lence of Spon­dy­lo­sis Deform­ans in Tail­ed Ver­sus Tail-Docked Rott­wei­lers, 301 bis 305
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  • Mon­tei­ro, B. P., Las­cel­les, B. D. X., Mur­rell, J., Robert­son, S., Stea­gall, P. V. M. und Wright, B. (2023): 2022 WSAVA gui­de­lines for the reco­gni­ti­on, assess­ment and tre­at­ment of pain. Jour­nal of Small Ani­mal Prac­ti­ce 64, 177 bis 254
  • Mül­ler, L.: Senio­rhund: Fit und glück­lich alt wer­den. Fort­bil­dung
  • Wüs­ten­ho­fer, T.: Taping in der Hun­de­the­ra­pie – Mög­lich­kei­ten, Gren­zen und Ein­satz­ge­bie­te. Fort­bil­dung
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Christina Williger

Christina Williger
Ernährungsberaterin für Hunde & Katzen | Autorin | Gründerin von Hund-als-Haustier.de

Tiere sind seit jeher ein zentraler Teil meines Lebens. Durch meine langjährige Erfahrung mit verschiedenen Haustieren sowie fast 20 Jahre im Pferdesport und Hundesport habe ich ein tiefes Verständnis für ihre Bedürfnisse entwickelt. Die gesundheitlichen Herausforderungen meines Hundes Aragon haben mich dazu bewegt, mich intensiv mit Tierernährung zu beschäftigen und mich zur zertifizierten Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen weiterzubilden. Heute teile ich mein Wissen und meine Erfahrung in Büchern, Ratgebern und Fachartikeln rund um die artgerechte Tierhaltung sowie die Ernährung von Hunden und Katzen.