Zahn­stein beim Hund: Erken­nen, ent­fer­nen und wirk­sam vor­beu­gen

Zahn­stein beim Hund ist mehr als ein Schön­heits­pro­blem: Die har­ten Belä­ge kön­nen unbe­han­delt zu Zahn­fleisch­ent­zün­dung, Maul­ge­ruch und schmerz­haf­tem Zahn­ver­lust füh­ren. Ent­fer­nen lässt sich Zahn­stein nur durch eine pro­fes­sio­nel­le Zahn­rei­ni­gung in der Tier­arzt­pra­xis, in aller Regel unter Nar­ko­se. Wie du Zahn­stein früh erkennst, was die Behand­lung kos­tet und wie du neu­en Belä­gen vor­beugst, erfährst du hier.

Vie­le Hun­de­hal­ter unter­schät­zen, wie sehr schmerz­haf­te Zäh­ne den All­tag ihres Tie­res beein­flus­sen. Hun­de jam­mern sel­ten, sie zie­hen sich zurück, fres­sen ein­sei­tig oder wir­ken ein­fach „nicht mehr ganz frisch“. Der Blick ins Maul lohnt sich öfter, als du viel­leicht denkst. Und für kom­ple­xe Fäl­le gibt es Anlauf­stel­len für Tier­zahn­heil­kun­de, wie bei­spiels­wei­se das Tier­ge­sund­heits­zen­trum Ove­r­ath unter Lei­tung von Dr. Diet­mar Büche­ler, an wel­ches Haus­tier­ärz­te auch aus dem über­re­gio­na­len Umfeld Zahn­pa­ti­en­ten über­wei­sen.

Zahnstein beim Hund: Erkennen, entfernen und wirksam vorbeugen
Zahn­stein beim Hund: Erken­nen, ent­fer­nen und wirk­sam vor­beu­gen

Zahn­stein beim Hund: Das Wich­tigs­te auf einen Blick

  • Zahn­stein ent­steht aus Plaque, die durch Mine­ra­li­en im Spei­chel ver­här­tet. Klei­ne Ras­sen sind beson­ders anfäl­lig.
  • Warn­si­gna­le sind Maul­ge­ruch, ein­sei­ti­ges Kau­en, Fress­un­lust, Spei­cheln und Rück­zug. Hun­de ver­ber­gen Schmerz, kon­trol­lie­re des­halb regel­mä­ßig das Maul.
  • Unbe­han­del­ter Zahn­stein kann zu Gin­gi­vi­tis, Par­odon­ti­tis und Zahn­ver­lust füh­ren und den Orga­nis­mus belas­ten.
  • Ent­fer­nen lässt sich Zahn­stein aus­schließ­lich durch eine pro­fes­sio­nel­le Zahn­rei­ni­gung mit Ultra­schall, Poli­tur und Den­tal­rönt­gen, in aller Regel unter moder­ner Inha­la­ti­ons­nar­ko­se.
  • Zahn­rei­ni­gung ohne Nar­ko­se ist tier­schutz­wid­rig, stres­sig und lie­fert nur ober­fläch­li­che Kos­me­tik.
  • Kos­ten wer­den nach GOT abge­rech­net und rich­ten sich nach dem indi­vi­du­el­len Befund.
  • Bei kom­ple­xen Fäl­len über­wei­sen Haus­tier­ärz­te an spe­zia­li­sier­te Pra­xen wie das Tier­Zahn­Zen­trum im Tier­ge­sund­heits­zen­trum Ove­r­ath.
  • Die bes­te Vor­beu­gung ist regel­mä­ßi­ges Zäh­ne­put­zen, ergänzt durch geeig­ne­te Kau­ar­ti­kel und regel­mä­ßi­ge Maul­kon­trol­le in der Pra­xis.

Was ist Zahn­stein beim Hund und wie ent­steht er?

Zahn­stein (fach­sprach­lich Cal­cu­lus den­tis) ent­steht in zwei Schrit­ten: Zuerst bil­det sich auf den Zäh­nen ein wei­cher Belag aus Spei­se­res­ten, Spei­chel und Bak­te­ri­en, die soge­nann­te Plaque. Wird die­se Plaque nicht regel­mä­ßig ent­fernt, lagern sich Mine­ra­li­en aus dem Spei­chel ein und der Belag ver­här­tet sich zu Zahn­stein. Die­se fes­ten, gelb­lich-brau­nen Krus­ten sit­zen bevor­zugt an den Backen­zäh­nen und am Über­gang zum Zahn­fleisch.

Betrof­fen sein kann jeder Hund, doch man­che Tie­re nei­gen deut­lich stär­ker zu Zahn­stein. Klei­ne Ras­sen wie York­shire Ter­ri­er, Chi­hua­hua, Zwerg­pu­del oder Mal­te­ser haben oft ein enges Gebiss, in dem sich Belä­ge schnell fest­set­zen. Auch Hun­de mit wei­chem Nass­fut­ter, wenig Kau­ak­ti­vi­tät oder Zahn­fehl­stel­lun­gen kön­nen ein höhe­res Risi­ko haben. Das Alter spielt eben­falls eine Rol­le: Je län­ger Plaque unbe­han­delt bleibt, des­to mehr ver­här­tet sie. Par­odon­ta­l­er­kran­kun­gen zäh­len laut vete­ri­när­me­di­zi­ni­schen Fach­quel­len zu den häu­figs­ten Erkran­kun­gen bei erwach­se­nen Hun­den.

Wich­tig zu wis­sen: Zahn­stein lässt sich nicht weg­kau­en oder mit Haus­mit­teln auf­lö­sen. Sobald der Belag ver­här­tet ist, hilft nur die mecha­ni­sche Ent­fer­nung in der Tier­arzt­pra­xis.

Zahnstein-Entfernung in der Tierarztpraxis
Zahn­stein-Ent­fer­nung in der Tier­arzt­pra­xis

Wor­an erken­ne ich Zahn­stein und Zahn­schmer­zen bei mei­nem Hund?

Zahn­stein erkennst du am bes­ten durch einen ruhi­gen Blick ins Maul: gelb-brau­ne Belä­ge an den Zäh­nen, ein gerö­te­tes Zahn­fleisch oder ein deut­lich ver­än­der­ter Atem sind typi­sche Zei­chen. Zahn­schmer­zen zei­gen Hun­de dage­gen sel­ten offen. Du musst genau­er hin­schau­en, denn das Ver­hal­ten ver­rät oft mehr als der Zahn selbst.

Die­se Warn­si­gna­le soll­ten dich hell­hö­rig machen:

  • Gelb-brau­ne Belä­ge: an den Zäh­nen, beson­ders im hin­te­ren Bereich
  • Maul­ge­ruch (Hali­to­sis): süß­lich-fau­lig, deut­lich unan­ge­neh­mer als „nor­ma­ler“ Hun­de­a­tem
  • Ein­sei­ti­ges Kau­en: oder das Fal­len­las­sen von Fut­ter
  • Fress­un­lust: beson­ders bei Tro­cken­fut­ter oder har­ten Lecker­lis
  • Ver­mehr­tes Spei­cheln: teil­wei­se blu­tig ver­färbt
  • Rück­zug, Gereizt­heit: oder Wesens­ver­än­de­run­gen
  • Kopf­schüt­teln, Pfo­te am Maul rei­ben: Berüh­rungs­emp­find­lich­keit am Kopf
  • Vor­sich­ti­ges Spie­len: kein Zer­ren am Tau mehr, kein Kau­en auf har­ten Gegen­stän­den

Wenn du eines oder meh­re­re die­ser Zei­chen bemerkst, ist ein Ter­min in der Tier­arzt­pra­xis der rich­ti­ge nächs­te Schritt. Eine Fern­dia­gno­se ist bei Zahn­pro­ble­men nicht mög­lich. Nur die direk­te Unter­su­chung, bei Bedarf mit Den­tal­rönt­gen, zeigt zuver­läs­sig, was unter dem Zahn­fleisch pas­siert.

War­um lei­den Hun­de still?

Hun­de stam­men von Beu­te­grei­fern ab, für die sicht­ba­re Schwä­che in frei­er Wild­bahn nach­tei­lig sein konn­te. Ver­hal­tens­bio­lo­gisch wird ange­nom­men, dass die­ses Erbe bis heu­te wirkt: Ein Hund mit Zahn­schmer­zen frisst oft wei­ter, spielt wei­ter und lässt sich strei­cheln, auch wenn jeder Biss weh tut. Er zeigt Schmerz meist erst, wenn die­ser sehr stark ist oder wenn ihn jemand gezielt am Maul berührt.

Des­halb gilt: War­test du auf ein deut­li­ches Schmerz­si­gnal, ist die Erkran­kung häu­fig schon fort­ge­schrit­ten. Regel­mä­ßi­ge Kon­trol­le im All­tag, ein Blick ins Maul beim Kuscheln, das Beob­ach­ten des Fress­ver­hal­tens: All das ist ein wich­ti­ger Früh­war­ner.

War­um ist Zahn­stein für Hun­de gefähr­lich?

Zahn­stein ist kein rein kos­me­ti­sches Pro­blem. Unter dem har­ten Belag sam­meln sich Bak­te­ri­en, die das umlie­gen­de Gewe­be angrei­fen kön­nen. Die Fol­ge ist eine Ket­te von Erkran­kun­gen, die zunächst schlei­chend ver­läuft und dann deut­li­che Aus­wir­kun­gen haben kann.

Am Anfang steht die Gin­gi­vi­tis, eine Zahn­fleisch­ent­zün­dung. Das Zahn­fleisch ist gerö­tet, geschwol­len und blu­tet leicht. Wird sie nicht behan­delt, kann die Ent­zün­dung tie­fer grei­fen und in eine Par­odon­ti­tis über­ge­hen: Der Zahn­hal­te­ap­pa­rat baut sich ab, das Zahn­fleisch zieht sich zurück, es ent­ste­hen Zahn­fleisch­ta­schen, in denen sich wei­te­re Bak­te­ri­en ver­meh­ren. Am Ende kann sich der Zahn lockern und ver­lo­ren gehen.

Die Belas­tung endet nicht im Maul. Bak­te­ri­en aus ent­zün­de­ten Zahn­ta­schen kön­nen über die Blut­bahn in den Kör­per gelan­gen. Chro­ni­sche Par­odon­ta­l­er­kran­kun­gen beim Hund sind als Belas­tungs­fak­tor für Fol­ge­schä­den der Orga­ne (Herz, Nie­re, Leber) anzu­se­hen, beson­ders bei älte­ren Tie­ren. Wei­ter­füh­ren­de Infor­ma­tio­nen für Tier­hal­ter fin­dest du zum Bei­spiel bei der Bun­des­tier­ärz­te­kam­mer. Ein gesun­des Maul trägt des­halb zur all­ge­mei­nen Gesund­heit bei.

Wie wird Zahn­stein beim Hund ent­fernt?

Bestehen­den Zahn­stein beim Hund ent­fernt kei­ne Kau­stan­ge und kein Haus­mit­tel, son­dern nur eine pro­fes­sio­nel­le Zahn­rei­ni­gung unter Nar­ko­se in der Tier­arzt­pra­xis. Der Ablauf ist stan­dar­di­siert und deut­lich gründ­li­cher als eine schnel­le „Kos­me­tik“ am wachen Tier.

Eine pro­fes­sio­nel­le Zahn­rei­ni­gung beim Hund läuft in der Regel in die­sen Schrit­ten ab:

  1. Vor­un­ter­su­chung: All­ge­mei­ne Unter­su­chung, je nach Alter und Gesund­heits­zu­stand Blut­bild und Herz-Check, um den Hund nar­ko­se­fä­hig ein­zu­schät­zen.
  2. Nar­ko­se­ein­lei­tung und Intu­ba­ti­on: Der Hund wird in eine kon­trol­lier­te Inha­la­ti­ons­nar­ko­se gelegt und intu­biert. So bleibt der Rachen geschützt, es gelangt weder Was­ser noch Zahn­stein in die Luft­we­ge.
  3. Kli­ni­sche Zahn­be­fun­dung: Jeder Zahn wird ein­zeln beur­teilt, Zahn­fleisch­ta­schen wer­den mit einer Son­de ver­mes­sen, Locke­run­gen doku­men­tiert.
  4. Den­tal­rönt­gen: Rönt­gen­auf­nah­men ein­zel­ner Zäh­ne oder des gesam­ten Gebis­ses kön­nen ver­steck­te Schä­den sicht­bar machen, etwa Wur­zel­ent­zün­dun­gen, resor­bier­te Wur­zeln oder Kno­chen­ver­lust. Ohne Rönt­gen blei­ben vie­le Pro­ble­me uner­kannt.
  5. Ultra­schall­rei­ni­gung: Zahn­stein und Plaque wer­den mit einem Ultra­schall­ge­rät scho­nend von den Zahn­ober­flä­chen und aus den Zahn­fleisch­ta­schen ent­fernt. Bei Bedarf wer­den hart­nä­cki­ge Abla­ge­run­gen mit Hand­in­stru­men­ten (Küret­ten) nach­be­ar­bei­tet.
  6. Poli­tur: Nach der Rei­ni­gung wird jeder Zahn poliert. Das glät­tet fei­ne Krat­zer und kann es neu­en Belä­gen erschwe­ren, sich fest­zu­set­zen.
  7. Wei­te­re Maß­nah­men bei Bedarf: Extrak­tio­nen stark geschä­dig­ter Zäh­ne, Wur­zel­be­hand­lun­gen, Behand­lung von Zahn­fleisch­ta­schen oder Frak­tur­ver­sor­gung, je nach Befund.
  8. Auf­wach­pha­se und Nach­sor­ge: Der Hund wird beim Auf­wa­chen über­wacht. Zu Hau­se erhält er wei­che Kost, gege­be­nen­falls Schmerz­mit­tel und Emp­feh­lun­gen für die häus­li­che Zahn­pfle­ge.

Der Vor­teil die­ses Ablaufs: Die Zäh­ne wer­den nicht nur ober­fläch­lich sau­ber, son­dern auch unter dem Zahn­fleisch­rand. Und durch das Den­tal­rönt­gen erhältst du eine ehr­li­che Bestands­auf­nah­me, statt nur ein „sau­be­res Ergeb­nis“ auf den ers­ten Blick.

Zahnstein beim Hund
Zahn­stein beim Hund

War­um geht Zahn­stein­ent­fer­nung nur unter Nar­ko­se?

Immer wie­der wer­den „Zahn­rei­ni­gun­gen ohne Nar­ko­se“ ange­bo­ten, zum Teil sogar von nicht-tier­ärzt­li­chem Per­so­nal. Davon ist klar abzu­ra­ten: Eine sol­che Behand­lung gilt als tier­schutz­wid­rig, weil sie den Hund unnö­tig stresst, ihm Schmer­zen zufü­gen kann und trotz­dem kein gründ­li­ches Ergeb­nis lie­fert.

Am wachen Tier lässt sich Zahn­stein bes­ten­falls ober­fläch­lich abkrat­zen. Der wich­ti­ge Bereich unter dem Zahn­fleisch­rand, dort, wo Par­odon­ti­tis ent­steht, bleibt uner­reich­bar. Den­tal­rönt­gen, das Ver­mes­sen von Zahn­fleisch­ta­schen und eine gründ­li­che Poli­tur sind ohne Nar­ko­se nicht sinn­voll durch­führ­bar. Ergeb­nis: Die Zäh­ne sehen kurz sau­be­rer aus, das Grund­pro­blem bleibt.

Die moder­ne Inha­la­ti­ons­nar­ko­se mit Intu­ba­ti­on und Moni­to­ring (typi­scher­wei­se Herz­fre­quenz, Atmung und Sau­er­stoff­sät­ti­gung, je nach Pra­xis ergänzt um Blut­druck und wei­te­re Para­me­ter) ist heu­te gut steu­er­bar. Sie wird wäh­rend des gesam­ten Ein­griffs an das Tier ange­passt. Auch für älte­re Hun­de oder Pati­en­ten mit Vor­er­kran­kun­gen ist sie in vie­len Fäl­len gut mög­lich, wenn Vor­un­ter­su­chung und Nar­ko­se­füh­rung sorg­fäl­tig geplant sind. Häu­fig kann eine unbe­han­del­te, schmerz­haf­te Zahn­erkran­kung ein grö­ße­res Risi­ko für die Gesund­heit dar­stel­len als eine gut vor­be­rei­te­te Nar­ko­se.

Wann soll­te ein Zahn-Spe­zia­list über­neh­men?

Die meis­ten Zahn­rei­ni­gun­gen und vie­le Zahn­be­hand­lun­gen erle­digt dein Haus­tier­arzt. Er ist ers­ter Ansprech­part­ner, kennt dei­nen Hund und leis­tet als Erst­ver­sor­ger den größ­ten Teil der Zahn­vor­sor­ge. Bei kom­ple­xen Fäl­len greift jedoch ein ähn­li­ches Prin­zip wie in der Human­me­di­zin: Für spe­zi­el­le Fra­ge­stel­lun­gen gibt es Spe­zia­lis­ten, an die über­wie­sen wird. Die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Haus­tier­arzt und Über­wei­sungs­pra­xis ist in der Vete­ri­när­me­di­zin eta­bliert.

Ein Zahn-Spe­zia­list ist beson­ders sinn­voll bei:

  • Tie­fer Par­odon­ti­tis: mit aus­ge­präg­ten Zahn­fleisch­ta­schen und Kno­chen­ver­lust
  • Zahn­frak­tu­ren: etwa nach einem Sturz oder dem Kau­en auf zu har­ten Gegen­stän­den
  • Wur­zel­be­hand­lun­gen: und Fra­gen der Zahn­erhal­tung statt Extrak­ti­on
  • Kie­fer­pro­ble­men: Fehl­stel­lun­gen oder tumor­ver­däch­ti­gen Ver­än­de­run­gen im Maul
  • Unkla­ren Befun­den im Den­tal­rönt­gen: die eine 3D-Dia­gnos­tik erfor­dern

Ein Bei­spiel für eine sol­che Über­wei­sungs­pra­xis ist das Tier­Zahn­Zen­trum Ove­r­ath im Rhei­nisch-Ber­gi­schen Kreis. Unter Lei­tung von Dr. Diet­mar Büche­ler liegt hier seit über 20 Jah­ren ein Schwer­punkt auf spe­zia­li­sier­ter Tier­zahn­heil­kun­de. Die Pra­xis arbei­tet mit Den­tal­rönt­gen sowie drei­di­men­sio­na­ler CT/CBCT-Dia­gnos­tik, mit der auch fei­ne Ver­än­de­run­gen an Wur­zeln und Kno­chen sicht­bar wer­den kön­nen. Tier­ärzt­li­che Kol­le­gen aus ganz NRW über­wei­sen kom­ple­xe Zahn-Pati­en­ten dort­hin, und auch WDR5 Leo­nar­do berich­te­te über das Tier­Zahn­Zen­trum. Das Tier­Zahn­Zen­trum im Tier­ge­sund­heits­zen­trum Ove­r­ath gehört zu den eta­blier­ten Über­wei­sungs­adres­sen für Tier­zahn­heil­kun­de in NRW.

Für dich als Hal­ter heißt das kon­kret: Sagt dein Haus­tier­arzt, dass es sich lohnt, für eine bestimm­te Zahn­fra­ge einen Spe­zia­lis­ten hin­zu­zu­zie­hen, ist das kein Zei­chen von Unsi­cher­heit, son­dern gute vete­ri­när­me­di­zi­ni­sche Pra­xis. Und die gute Nach­richt: Moder­ne Tier­zahn­heil­kun­de kann Zäh­ne in vie­len Fäl­len erhal­ten statt zie­hen. Wur­zel­be­hand­lun­gen und Über­kro­nun­gen sind auch beim Hund mög­lich.

Wie kann ich Zahn­stein bei mei­nem Hund vor­beu­gen?

Vor­beu­gung ist bei Zahn­stein die mit Abstand wirk­sams­te Stra­te­gie. Wei­che Plaque lässt sich näm­lich vom Zahn ent­fer­nen. Sobald sie zu Zahn­stein ver­här­tet ist, hilft nur noch die Pra­xis. Ziel jeder Zahn­pfle­ge beim Hund ist des­halb, den Belag gar nicht erst hart wer­den zu las­sen.

Zäh­ne­put­zen, der Gold­stan­dard: Regel­mä­ßi­ges, mög­lichst täg­li­ches Put­zen mit einer wei­chen Hun­de­zahn­bürs­te (oder einem Fin­ger­ling) und einer spe­zi­el­len Hun­de­zahn­pas­ta gilt als effek­tivs­te Metho­de. Mensch­li­che Zahn­pas­ta ist tabu: Sie kann gif­ti­ge Stof­fe wie Fluo­rid und bei man­chen Pro­duk­ten Xylit (Bir­ken­zu­cker) ent­hal­ten, der für Hun­de lebens­be­droh­lich sein kann. Begin­ne früh und in klei­nen Schrit­ten: erst nur das Zahn­fleisch anfas­sen, dann ein­zel­ne Zäh­ne, dann die gesam­te Zahn­rei­he. Loben, beloh­nen, kurz hal­ten: So wird Put­zen zum Ritu­al, nicht zum Kampf.

Kau­ar­ti­kel und Den­tal-Snacks: Kau­en kann die mecha­ni­sche Rei­ni­gung unter­stüt­zen. Sinn­voll sind lang halt­ba­re, nicht zu har­te Kau­ar­ti­kel. Vor­sicht bei sehr har­ten Mate­ria­li­en wie Röh­ren­kno­chen, Hirsch­ge­weih oder har­ten Kunst­stof­fen: Sie kön­nen Zäh­ne bre­chen. Als Faust­re­gel gilt: Wenn du den Gegen­stand nicht mit dem Fin­ger­na­gel ein­drü­cken kannst, ist er mög­li­cher­wei­se zu hart.

Was­ser­zu­sät­ze und Kau­hil­fen: Es gibt Was­ser­zu­sät­ze und Zahn­pfle­ge­gels, die die Plaq­ue­bil­dung redu­zie­ren sol­len. Ach­te auf Pro­duk­te mit tier­ärzt­li­cher Emp­feh­lung und sieh die­se als Ergän­zung, nicht als Ersatz für die mecha­ni­sche Rei­ni­gung.

Regel­mä­ßi­ge Maul­kon­trol­le: Ein kur­zer Blick ins Maul, etwa ein­mal pro Woche, gehört zur nor­ma­len Hun­de­pfle­ge, genau­so wie Kral­len, Ohren und Fell. Bei den regel­mä­ßi­gen Vor­sor­ge-Ter­mi­nen soll­te der Tier­arzt Zäh­ne und Zahn­fleisch immer mit­kon­trol­lie­ren. Bei klei­nen Ras­sen und älte­ren Hun­den kön­nen kür­ze­re Kon­troll­ab­stän­de sinn­voll sein.

Regelmäßige Maulkontrolle hilft bei der Erkennung von Zahnstein
Regel­mä­ßi­ge Maul­kon­trol­le hilft bei der Erken­nung von Zahn­stein

Zahn­pfle­ge-Metho­den für Hun­de im Ver­gleich

Metho­deWir­kung gegen PlaqueWir­kung gegen bestehen­den Zahn­steinAuf­wandEmp­feh­lung
Zäh­ne­put­zen (täg­lich)Sehr hoch, ent­fernt Plaque mecha­nisch, bevor sie ver­här­tetKei­ne, Zahn­stein ist bereits mine­ra­li­siertTäg­lich weni­ge Minu­tenGold­stan­dard zur Vor­beu­gung
Kau­ar­ti­kel & Den­tal-SnacksMit­tel, kann die mecha­ni­sche Rei­ni­gung unter­stüt­zenKei­ne bis sehr geringGering, kaum Auf­wandSinn­vol­le Ergän­zung, kein Ersatz für das Put­zen
Fut­ter­zu­sät­ze & Was­ser­zu­sät­zeGering bis mit­tel, je nach Pro­duktKei­neSehr geringErgän­zung bei putz­scheu­en Hun­den
Pro­fes­sio­nel­le Zahn­rei­ni­gung unter Nar­ko­seVoll­stän­dig, inklu­si­ve Zahn­fleisch­ta­schenVoll­stän­dig, ein­zi­ge zuver­läs­si­ge Metho­de zur Ent­fer­nungEin Ter­min, plan­barNot­wen­dig bei bestehen­dem Zahn­stein und regel­mä­ßig zur Kon­trol­le

Die Bot­schaft der Tabel­le ist ein­fach: Am meis­ten zur Vor­beu­gung leis­tet das täg­li­che Zäh­ne­put­zen. Wenn Zahn­stein aber ein­mal da ist, hilft nur die pro­fes­sio­nel­le Zahn­rei­ni­gung, und kei­ne Kom­bi­na­ti­on aus Kau­ar­ti­keln, Zusät­zen und Snacks kann sie erset­zen.

Häu­fi­ge Fra­gen zu Zahn­stein und Zahn­pfle­ge beim Hund

Kann ich Zahn­stein beim Hund selbst ent­fer­nen?

Nein. Haus­mit­tel, Ultra­schall-Gerä­te aus dem Han­del oder das Krat­zen und Abscha­ben mit Metall­werk­zeu­gen sind kei­ne gute Idee und wer­den aus­drück­lich nicht emp­foh­len. Sie kön­nen Zahn­schmelz und Zahn­fleisch ver­let­zen, Bak­te­ri­en in Wun­den drü­cken und dei­nen Hund mas­siv stres­sen. Sicht­ba­rer, fest­sit­zen­der Zahn­stein gehört in die Tier­arzt­pra­xis. Dort wird er unter Nar­ko­se gründ­lich und scho­nend ent­fernt.

Was kos­tet eine Zahn­rei­ni­gung beim Hund?

Die Kos­ten hän­gen vom Befund und vom Auf­wand ab: Men­ge des Zahn­steins, Not­wen­dig­keit von Rönt­gen, Extrak­tio­nen oder wei­te­ren Behand­lun­gen sowie Nar­ko­se­dau­er. Die Abrech­nung erfolgt nach der GOT (Gebüh­ren­ord­nung für Tier­ärz­te). Eine genaue Ein­schät­zung ist erst nach einer Vor­un­ter­su­chung mög­lich. Frag in dei­ner Pra­xis nach einem Kos­ten­vor­anschlag.

Ist die Nar­ko­se für mei­nen alten Hund gefähr­lich?

Die moder­ne Inha­la­ti­ons­nar­ko­se mit Intu­ba­ti­on und Moni­to­ring ist auch für Senio­ren in vie­len Fäl­len gut steu­er­bar. Eine sorg­fäl­ti­ge Vor­un­ter­su­chung (zum Bei­spiel Blut­bild, Herz-Check, Beur­tei­lung von Vor­er­kran­kun­gen) kann das Risi­ko redu­zie­ren. Häu­fig sind unbe­han­del­te Zahn­schmer­zen und chro­ni­sche Zahn­ent­zün­dun­gen für den Orga­nis­mus das grö­ße­re Pro­blem als eine gut vor­be­rei­te­te Nar­ko­se. Sprich dei­ne Sor­gen im Vor­ge­spräch offen an. Dei­ne Pra­xis erklärt dir das Nar­ko­se­kon­zept.

Wor­an erken­ne ich, dass mein Hund Zahn­schmer­zen hat?

Typi­sche Anzei­chen sind Maul­ge­ruch, ein­sei­ti­ges Kau­en, Fress­un­lust (vor allem bei Har­tem), ver­mehr­tes Spei­cheln, Berüh­rungs­emp­find­lich­keit am Kopf und Rück­zug oder Gereizt­heit. Hun­de ver­ber­gen Schmerz instink­tiv. Des­halb sind Ver­hal­tens­än­de­run­gen oft die ers­ten und wich­tigs­ten Signa­le. Bei sol­chen Anzei­chen soll­test du zeit­nah eine Tier­arzt­pra­xis auf­su­chen.

Wie oft soll­te mein Hund eine pro­fes­sio­nel­le Zahn­rei­ni­gung bekom­men?

Das ist indi­vi­du­ell. Man­che Hun­de benö­ti­gen in län­ge­ren Abstän­den eine gründ­li­che Rei­ni­gung, ande­re häu­fi­ger. Klei­ne Ras­sen, Senio­ren und Hun­de mit Zahn­fehl­stel­lun­gen ten­die­ren zu kür­ze­ren Abstän­den. Dein Tier­arzt beur­teilt bei der regel­mä­ßi­gen Kon­trol­le, ob und wann eine Rei­ni­gung ansteht und wie gut dei­ne häus­li­che Zahn­pfle­ge wirkt.

Was pas­siert, wenn Zahn­stein nicht ent­fernt wird?

Unbe­han­delt kann sich aus Zahn­stein eine Zahn­fleisch­ent­zün­dung (Gin­gi­vi­tis) und spä­ter eine Par­odon­ti­tis mit Kno­chen­ab­bau ent­wi­ckeln. Die Fol­gen kön­nen dau­er­haf­te Schmer­zen, Zahn­lo­cke­rung und Zahn­ver­lust sein. Zusätz­lich kön­nen Bak­te­ri­en aus dem Maul über die Blut­bahn den Orga­nis­mus belas­ten, was bei chro­ni­schem Ver­lauf auch Orga­ne wie Herz, Nie­ren und Leber beein­träch­ti­gen kann.

Kann ein abge­bro­che­ner oder stark geschä­dig­ter Zahn erhal­ten wer­den?

In vie­len Fäl­len ja. Die moder­ne Tier­zahn­heil­kun­de kann Zäh­ne häu­fig erhal­ten statt zie­hen. Wur­zel­be­hand­lun­gen und Über­kro­nun­gen sind auch beim Hund mög­lich. Spe­zia­li­sier­te Pra­xen wie das Tier­Zahn­Zen­trum im Tier­ge­sund­heits­zen­trum Ove­r­ath bie­ten Wur­zel­be­hand­lun­gen, Frak­tur­ver­sor­gung und Zahn­erhal­tung an, statt Zäh­ne rou­ti­ne­mä­ßig zu extra­hie­ren. Ob ein Erhalt mög­lich ist, ent­schei­den der Befund im Rönt­gen und die kli­ni­sche Situa­ti­on.

Wann brau­che ich einen Zahn-Spe­zia­lis­ten statt des Haus­tier­arz­tes?

Bei kom­ple­xen Fäl­len wie aus­ge­präg­ter Par­odon­ti­tis, Zahn­frak­tur, geplan­ter Wur­zel­be­hand­lung, Kie­fer­pro­ble­men oder unkla­ren Befun­den im Den­tal­rönt­gen. Haus­tier­ärz­te über­wei­sen sol­che Pati­en­ten an spe­zia­li­sier­te Über­wei­sungs­pra­xen, zum Bei­spiel an das Tier­ge­sund­heits­zen­trum Ove­r­ath, an das Kol­le­gen aus ganz NRW Zahn-Pati­en­ten über­wei­sen. Die­se Zusam­men­ar­beit ist in der Vete­ri­när­me­di­zin üblich und dient dem best­mög­li­chen Ergeb­nis für dei­nen Hund.

Hin­weis: Die­ser Arti­kel ersetzt kei­ne tier­ärzt­li­che Unter­su­chung. Bei Anzei­chen von Zahn­pro­ble­men oder Schmer­zen suche zeit­nah eine Tier­arzt­pra­xis auf. Eine zuver­läs­si­ge Dia­gno­se ist nur durch eine direk­te Unter­su­chung mög­lich.

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Christina Williger

Christina Williger
Ernährungsberaterin für Hunde & Katzen | Autorin | Gründerin von Hund-als-Haustier.de

Tiere sind seit jeher ein zentraler Teil meines Lebens. Durch meine langjährige Erfahrung mit verschiedenen Haustieren sowie fast 20 Jahre im Pferdesport und Hundesport habe ich ein tiefes Verständnis für ihre Bedürfnisse entwickelt. Die gesundheitlichen Herausforderungen meines Hundes Aragon haben mich dazu bewegt, mich intensiv mit Tierernährung zu beschäftigen und mich zur zertifizierten Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen weiterzubilden. Heute teile ich mein Wissen und meine Erfahrung in Büchern, Ratgebern und Fachartikeln rund um die artgerechte Tierhaltung sowie die Ernährung von Hunden und Katzen.