Zittern, Hecheln, Kratzen: Anzeichen für Schmerzen beim Hund erkennen

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Ein Hund mit Schmerzen jault selten. Er wird langsamer, steht anders auf als früher, lässt sich nicht mehr überall anfassen oder zieht sich zurück. Viele dieser Veränderungen kommen schleichend. Genau deshalb werden sie oft übersehen oder auf das Alter geschoben.

Schmerzen zu erkennen ist aber der erste Schritt, damit dein Hund Hilfe bekommt. Die Tierärztin oder der Tierarzt sieht deinen Hund wenige Minuten in einer fremden Umgebung. Du siehst ihn jeden Tag zu Hause, beim Aufstehen, auf dem Spaziergang und beim Spielen. Deine Beobachtungen sind deshalb die wichtigste Grundlage, um Schmerzen überhaupt zu entdecken.

Hier findest du die typischen Anzeichen für akute und chronische Schmerzen, dazu die Hinweise aus Haltung und Gangbild, auf die ich als tierärztlich geprüfte Tierphysiotherapeutin (in Ausbildung) achte. Dazu, was du tun solltest, wenn du den Verdacht hast.

Zittern, Hecheln, Kratzen - Anzeichen für Schmerzen beim Hund erkennen
Zittern, Hecheln, Kratzen – Anzeichen für Schmerzen beim Hund erkennen

Das Wichtigste in Kürze zu Schmerzen beim Hund

Schmerzen zeigen sich beim Hund vor allem über Verhalten und Körperhaltung: Er bewegt sich weniger oder anders, reagiert empfindlich auf Berührung, frisst schlechter, zieht sich zurück oder wird reizbar. Akute Schmerzen fallen meist schnell auf, chronische Schmerzen entwickeln sich langsam und werden häufig mit „normalem Altern“ verwechselt.

  • Ein einzelnes Anzeichen beweist noch keinen Schmerz. Entscheidend ist, was sich im Vergleich zu früher verändert hat.
  • Zittern, Hecheln und Kratzen können Schmerz bedeuten, haben aber auch viele andere Ursachen.
  • Haltung und Gangbild verraten viel: Gewichtsverlagerung nach vorn, schiefes Sitzen, Kopfnicken beim Gehen oder Mühe beim Aufstehen.
  • Bei Verdacht auf Schmerzen solltest du deinen Hund in der Tierarztpraxis vorstellen. Schmerzmittel für Menschen sind für Hunde gefährlich.

Warum verbergen Hunde Schmerzen?

Hunde verbergen Schmerzen nicht absichtlich. Sie zeigen Schmerz über ihr Verhalten statt über Laute: Sie vermeiden Bewegungen, stehen seltener auf und reagieren gereizt auf Berührung. Weil diese Zeichen leise sind und sich bei chronischen Schmerzen über Monate entwickeln, übersehen Halterinnen und Halter sie oder halten sie für normales Altern. Ein Mensch sagt „mir tut das Knie weh“, ein Hund verändert sein Verhalten. Er vermeidet Bewegungen, die wehtun, steht seltener auf, lässt eine Pfote beim Laufen weniger lange am Boden oder reagiert gereizt, wenn jemand die schmerzende Stelle berührt. Wer nicht weiß, worauf er achten muss, nimmt das als Eigenart oder Alterserscheinung hin.

Dazu kommt ein zweiter Punkt, den die Leitlinie der Weltvereinigung der Kleintierärzte (WSAVA) zur Schmerzerkennung beschreibt: Je stärker ein Hund beeinträchtigt ist, desto weniger typische Schmerzzeichen zeigt er. Ein Hund mit starken Schmerzen jault oft gar nicht mehr, sondern bewegt sich einfach so wenig wie möglich, um den Schmerz nicht zu verschlimmern. Ruhe ist also kein Beweis dafür, dass es ihm gut geht.

Bei chronischen Schmerzen kommt die Zeit dazu. Veränderungen, die sich über Monate entwickeln, fallen dem Menschen, der den Hund täglich sieht, am wenigsten auf. Bei meinem Labrador Aragon habe ich das selbst erlebt. Er musste sich nach dem Aufstehen erst einlaufen, ein typisches Zeichen für Arthrose. Er wollte nicht mehr springen und wechselte beim Schlafen oft den Platz. Auf die Couch kam er früher mit einem Satz, später nur noch über eine Hundetreppe, irgendwann gar nicht mehr. Am Ende lag er nur noch in seinem orthopädischen Bett. Jeder dieser Schritte für sich wirkte wie „er wird eben älter“. Die WSAVA-Leitlinie nennt genau das als einen der häufigsten Gründe, warum chronische Schmerzen unerkannt bleiben. Dazu kommt, dass Hunde Schmerz unterschiedlich stark zeigen. Die Leitlinie weist darauf hin, dass Rasse, Alter und Temperament das Schmerzverhalten beeinflussen. In der Praxis merkt man das deutlich: Manche Rassen laufen mit Befunden herum, bei denen andere längst keinen Schritt mehr machen würden. Alter ist keine Krankheit, aber gerade bei Hunden im Seniorenalter lohnt es sich, jede Veränderung ernst zu nehmen.

Schmerzen beim Hund werden viel zu oft aufs Alter geschoben
Schmerzen beim Hund werden viel zu oft aufs Alter geschoben

Allgemeine Anzeichen für Schmerzen beim Hund

Ein Hund mit Schmerzen verändert sich in sieben Bereichen: Körperhaltung, Bewegung, Stimmung und Verhalten, Reaktion auf Berührung, Umgang mit Menschen, Lautäußerungen und Appetit. Akute Schmerzen zeigen sich durch Unruhe, Hecheln, Lahmheit und Schonhaltung, chronische Schmerzen durch Steifheit, weniger Aktivität, Rückzug und Reizbarkeit. Diese sieben Bereiche nennt die WSAVA-Leitlinie als Grundlage der Schmerzbeurteilung, weil es beim Hund keine objektive Messung für Schmerz gibt. Ob ein Schmerz akut oder chronisch ist, macht dabei einen großen Unterschied.

BereichAkute Schmerzen (zum Beispiel nach Verletzung oder Operation)Chronische Schmerzen (zum Beispiel bei Arthrose)
Haltunggekrümmter Rücken, eingezogener Bauch, Kopf tief, steifes StehenGewicht auf die Vorderbeine verlagert, Hinterbeine unter den Körper gestellt, Rücken leicht gerundet
Bewegungwill sich nicht bewegen, lahmt, bleibt liegen oder steht nur herumkürzere Spaziergänge, Steifheit nach dem Ruhen, Mühe bei Treppen, Auto und Sofa, langsameres Aufstehen
VerhaltenUnruhe, Platzwechsel, Hecheln, Zittern, Zurückziehenweniger Spiel, weniger Interesse, mehr Schlaf, häufiges Umlagern in der Nacht, Reizbarkeit, Vermeiden von Kontakt
Berührungzuckt zusammen, knurrt, schnappt oder weicht aus, wenn die Stelle berührt wirdwill sich an bestimmten Stellen nicht mehr bürsten oder streicheln lassen
LautäußerungJaulen, Fiepen, Stöhnen, vor allem bei Bewegungmeist keine, höchstens Stöhnen beim Hinlegen
Appetitfrisst nicht, trinkt wenigfrisst langsamer, lässt Futter stehen, weil Bücken oder Stehen anstrengt
Fell und Körperpflegeleckt oder beknabbert eine Stelle auffällig oftstumpfes Fell, Lecken an Gelenken oder Pfoten

Keines dieser Zeichen beweist für sich allein, dass dein Hund Schmerzen hat. Ein Hund, der nach dem Schlafen steif aufsteht, dann aber fröhlich losläuft, ist nicht automatisch krank. Je mehr Punkte zusammenkommen und je deutlicher sie sich von früher unterscheiden, desto wahrscheinlicher ist Schmerz die Ursache. Genau deshalb fragen gute Tierärztinnen und Tierärzte bei chronischen Beschwerden so ausführlich nach dem Alltag: Die WSAVA-Leitlinie bezeichnet die Beobachtungen der Halterin oder des Halters als wichtigste Informationsquelle bei chronischen Schmerzen.

Woran erkenne ich Schmerzen am Bewegungsapparat?

Schmerzen am Bewegungsapparat erkennst du an Ausweichmustern: Gewicht auf der Vorhand, schiefes Sitzen, mühsames Aufstehen, Kopfnicken oder kürzere Schritte beim Gehen und Empfindlichkeit beim Abtasten. Diese fünf Punkte kannst du zu Hause prüfen, bevor du in die Tierarztpraxis gehst. Die meisten chronischen Schmerzen beim Hund kommen vom Bewegungsapparat. Arthrose betrifft nach Schätzungen etwa jeden fünften Hund über einem Jahr. Sie beginnt oft viel früher, als man denkt. In der Physiotherapie lernt man, Schmerzen nicht nur an der Lahmheit zu erkennen, sondern an dem, was der Körper tut, um den Schmerz zu umgehen. Diese Ausweichmuster kannst du auch zu Hause beobachten.

Haltung im Stand

Ein gesunder Hund steht mit dem Gewicht gleichmäßig auf allen vier Beinen, die Hinterbeine senkrecht unter der Hüfte. Tun die Hinterbeine weh, verlagert der Hund das Gewicht nach vorn. Die Vorderbeine stehen dann weiter unter dem Körper, der Rücken rundet sich, die Hinterbeine werden unter den Bauch gestellt. Mit der Zeit sieht man das auch an den Muskeln. Bei meinen Physiopatienten ist diese Kompensation das, was mir am häufigsten auffällt: eine auffallend kräftige Vorhand mit breiter Brust und Schultern, dahinter dünne Oberschenkel. Der Hund hat über Monate sein Gewicht nach vorn genommen, weil die Hinterhand wehtut. Die Muskeln verraten also, wo der Schmerz nicht sitzt. Schau deinen Hund von der Seite und von hinten an, wenn er ruhig steht. Ist ein Oberschenkel sichtbar schmaler als der andere, ist das fast immer ein Zeichen dafür, dass dieses Bein über längere Zeit geschont wurde.

Sitzen und Hinlegen

Der Sitztest ist einer der einfachsten Hinweise auf Schmerzen in Knie, Sprunggelenk oder Hüfte. Ein Hund, der ohne Beschwerden sitzt, hat beide Hinterbeine symmetrisch unter sich, Knie und Sprunggelenke voll gebeugt. Wer das nicht kann, setzt sich schief: Ein Hinterbein wird zur Seite gestreckt, nach hinten gelegt oder der Hund rutscht auf eine Hüfte. Dieses „schlampige Sitzen“ ist bei Welpen normal, bei einem erwachsenen Hund, der früher gerade saß, ist es ein Grund zur Abklärung. Auch das Hinlegen verrät viel. Hunde mit Schmerzen lassen sich fallen, statt sich kontrolliert abzulegen, oder sie liegen nur noch auf einer Seite. Eine Untersuchung an Hunden mit Kreuzbandrissen und Arthrose hat gezeigt, dass gerade die Beurteilung von Symmetrie beim Sitzen und Liegen, Muskelschwund und Gewichtsverteilung zu den aussagekräftigsten Tests in der Physiotherapie zählt.

Aufstehen und Übergänge

Das Aufstehen aus dem Liegen ist für Hunde mit Hüft- oder Kniebeschwerden die schwerste Bewegung des Tages. Achte darauf, ob dein Hund zuerst die Vorderbeine aufstellt und die Hinterhand hinterherzieht, ob er mehrere Anläufe braucht oder sich an der Wand abstützt. Dasselbe gilt für den Weg vom Sitzen ins Stehen und für Treppen. Viele Hunde mit Hüftproblemen nehmen Stufen hüpfend mit beiden Hinterbeinen gleichzeitig, lange bevor sie auf gerader Strecke lahmen.

Gangbild

Lahmheit ist nicht nur das deutliche Humpeln. Ein Hund, dem ein Vorderbein wehtut, nickt beim Gehen mit dem Kopf: Er hebt ihn, wenn das schmerzende Bein aufsetzt. Wenn das gesunde Bein trägt, senkt er ihn wieder. Bei Schmerzen in einem Hinterbein hebt sich die Hüfte auf der schmerzenden Seite. Der Schritt wird kürzer. Vorderbeine beurteilst du am besten, wenn der Hund auf dich zukommt. Hinterbeine, wenn er von dir weggeht. Im Trab fallen Unterschiede deutlicher auf als im Schritt. Nimm ein Video auf, auf ebenem Boden, von vorn, von hinten und von der Seite. Ein Video von zu Hause ist für die Tierarztpraxis oft wertvoller als die Untersuchung vor Ort, weil viele Hunde dort vor Aufregung alles überspielen.

Berührung und Muskeln

Mit den Händen spürt man, was das Auge nicht sieht. Streiche mit flacher Hand über Rücken, Schultern und Oberschenkel deines Hundes. Zuckt die Haut an einer Stelle, verspannt sich die Muskulatur, dreht er den Kopf zu deiner Hand oder weicht er aus, ist das ein Hinweis. Verspannte, harte Rückenmuskeln über der Lende sind bei Hunden mit Hüft- oder Knieproblemen häufig. Der Rücken übernimmt die Arbeit, die die Hinterhand nicht mehr leistet. Auch ständiges Lecken an einem Gelenk oder an den Pfoten kann Schmerz bedeuten, nicht nur Juckreiz.

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Symptome für Schmerzen beim Hund & mögliche Ursachen

Zittern, Hecheln, Kratzen, Katzenbuckel, Appetitverlust, vermehrter Durst, veränderte Augen und Blut im Urin sind die acht Symptome, nach denen Halterinnen und Halter am häufigsten suchen. Keines davon ist eindeutig: Jedes hat neben Schmerz mindestens eine andere Erklärung, zum Beispiel Kälte, Aufregung oder Juckreiz. Entscheidend ist deshalb die Kombination mit weiteren Zeichen und das Begleitverhalten.

Dein Hund zittert und verhält sich komisch

Zittern ist eines der am häufigsten gesuchten Anzeichen. Gleichzeitig ist es eines der unspezifischsten. Hunde zittern bei Kälte, vor Aufregung, bei Angst, bei Übelkeit, im Alter durch Muskelschwäche und bei manchen Rassen ganz ohne Krankheitswert. Auf Schmerz deutet Zittern vor allem dann hin, wenn es in Ruhe auftritt, zusammen mit Hecheln, einer angespannten Körperhaltung, Unruhe oder Rückzug. Ein Hund, der nachts zittert, nicht zur Ruhe kommt und ständig den Platz wechselt, hat mit großer Wahrscheinlichkeit Schmerzen. Zittert nur ein Bein oder zittert dein Hund nur beim Aufstehen, spricht das eher für Schmerzen am Bewegungsapparat. Plötzliches starkes Zittern mit Speicheln, Erbrechen oder Taumeln kann eine Vergiftung sein und ist ein Notfall.

Hund zittert und verhält sich komisch
Hund zittert und verhält sich komisch

Atemprobleme beim Hund

Hecheln ohne Anstrengung und ohne Wärme ist ein wichtiges Warnzeichen. Schmerz aktiviert das Stresssystem, der Hund atmet schneller und hechelt, auch nachts im kühlen Wohnzimmer. Eine beschleunigte Atmung in Ruhe, also mehr als etwa dreißig bis vierzig Atemzüge pro Minute im Schlaf, solltest du abklären lassen, weil dahinter auch Herz- oder Lungenerkrankungen stecken können. Kurzschnäuzige Rassen hecheln häufiger, bei ihnen fällt schmerzbedingtes Hecheln deshalb weniger auf.

Sabbern, Hecheln, Zittern und Erbrechen können auf eine Vergiftung hindeuten
Sabbern, Hecheln, Zittern und Erbrechen können auf eine Vergiftung hindeuten

Dein Hund kratzt sich ständig

Kratzen ist meist Juckreiz, also Haut, Parasiten oder Allergie. Es kann aber auch Schmerz sein. Hunde kratzen, beknabbern und lecken Stellen, die wehtun, weil sie die Stelle nicht anders erreichen. Typisch ist Lecken an einem Gelenk, an einer Pfote oder an der Flanke, immer an derselben Stelle. Kratzen am Hals oder an den Ohren kann auf Zahn- oder Ohrenschmerzen hinweisen. Prüfe, ob die Haut an der Stelle unauffällig ist. Dann liegt die Ursache eher darunter.

Schmerzen beim Hund erkennen - Hund kratzt sich ständig
Schmerzen beim Hund erkennen – Hund kratzt sich ständig

Dein Hund macht einen „Katzenbuckel“

Einen aufgewölbten Rücken mit eingezogenem Bauch zeigen Hunde vor allem bei Bauchschmerzen, zum Beispiel bei Magen-Darm-Infekten, Bauchspeicheldrüsenentzündung oder nach dem Fressen von etwas Unverträglichem. Ein runder Rücken kann aber auch vom Rücken selbst kommen: bei Bandscheibenproblemen oder schmerzhaften Veränderungen an der Wirbelsäule. Dann ist der Hund meist zusätzlich steif, mag nicht springen und zuckt, wenn du ihn über der Lende berührst. Nicht verwechseln solltest du den Katzenbuckel mit der Gebetsstellung, bei der der Hund die Vorderbeine flach auf den Boden legt und das Hinterteil hochhält. Das ist häufig eine Dehnung oder eine Spielaufforderung. Verharrt dein Hund aber lange so, ist angespannt und will nicht fressen, kann auch das Bauchschmerz bedeuten.

Katzenbuckel ist ein Anzeichen von Schmerzen beim Hund
Ein “Katzenbuckel” ist ein Anzeichen von Schmerzen beim Hund

Dein Hund verweigert Futter und Wasser

Appetitlosigkeit begleitet fast jede Art von Schmerz, vor allem aber Bauchschmerzen, Zahnschmerzen und starke akute Schmerzen. Achte auf die Begleitzeichen: Lecken der Lippen, Schmatzen, Speicheln, Magengeräusche und Unruhe sprechen für den Bauch. Lässt dein Hund Futter fallen, kaut nur auf einer Seite oder meidet hartes Futter, sind meist die Zähne das Problem. Ein Hund mit Arthrose frisst manchmal nur deshalb schlecht, weil das Stehen am Napf anstrengt. Ein erhöhter Napf löst dieses Problem oft überraschend schnell.

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Dein Hund trinkt viel

Vermehrter Durst ist kein Schmerzzeichen im eigentlichen Sinn, aber ein Hinweis auf Erkrankungen, die mit Schmerzen verbunden sein können, zum Beispiel Nierenerkrankungen, Blasenentzündungen, Gebärmutterentzündungen bei der Hündin oder Diabetes. Trinkt dein Hund deutlich mehr als sonst, ohne dass es warm ist oder er sich angestrengt hat, lass das abklären.

Hund frisst und trinkt nicht - Anzeichen für Schmerz beim Hund
Hund frisst und trinkt nicht: Anzeichen für Schmerz beim Hund

Die Augen deines Hundes sehen anders aus als sonst

Schmerzen verändern den Gesichtsausdruck. Für Katzen gibt es dafür inzwischen eine wissenschaftlich geprüfte Schmerzskala, für Hunde ist die Forschung noch nicht so weit, aber die Zeichen sind ähnlich: zurückgelegte Ohren, zusammengekniffene oder matte Augen, angespannte Muskeln um die Augen, abgewandter Blick. Gerötete, tränende oder zugekniffene Augen können außerdem auf Schmerzen am Auge selbst hinweisen, etwa bei einer Hornhautverletzung oder einem erhöhten Augendruck. Augenschmerzen sind immer ein Fall für die Tierarztpraxis, weil sich das Sehvermögen schnell verschlechtern kann.

Blut im Urin beim Hund

Blut im Urin oder im Kot ist kein Anzeichen, das du einordnen musst. Es ist ein Grund, zeitnah in die Tierarztpraxis zu gehen. Häufige schmerzhafte Ursachen sind Blasenentzündungen, Harnsteine und Prostataerkrankungen beim Rüden. Typisch ist dann auch häufiges Pressen, kleine Mengen Urin und ein gekrümmter Rücken beim Lösen.

Kann Schmerz Verhaltensprobleme beim Hund verursachen?

Ja. Bei mindestens einem Drittel der Hunde, die wegen Verhaltensproblemen an Spezialistinnen und Spezialisten überwiesen wurden, war eine schmerzhafte Erkrankung beteiligt, in einzelnen Praxen bei fast 80 Prozent. Das ergab eine Auswertung von Verhaltensmedizinerinnen und -medizinern aus mehreren Ländern (Mills et al. 2020). Am häufigsten waren Schmerzen am Bewegungsapparat, dahinter Bauch- und Hauterkrankungen. Ein Punkt, der mir wichtig ist: Viele Hunde, die als stur, unerzogen oder aggressiv gelten, haben Schmerzen.

Die Zusammenhänge sind logisch, wenn man sie kennt. Ein Hund mit Hüftschmerzen knurrt, wenn ein Kind sich auf ihn legt. Ein Hund mit Rückenschmerzen schnappt beim Anlegen des Geschirrs. Ein Hund, der sich nicht hinsetzen kann, wirkt beim Training „stur“. Ein Hund mit chronischen Schmerzen schläft schlechter, ist dadurch reizbarer und reagiert auf andere Hunde plötzlich konfrontativ. Auch Trennungsstress, ständiges Hinterherlaufen und Unruhe nachts gehen häufig auf Schmerzen zurück.

Wenn das Verhalten deines Hundes sich ohne erkennbaren Grund verändert hat, vor allem wenn er älter als fünf oder sechs Jahre ist, lass zuerst Schmerzen ausschließen, bevor du mit einem Training beginnst. Die Autorinnen und Autoren der Studie empfehlen Tierärztinnen und Tierärzten ausdrücklich, im Zweifel eine Schmerzbehandlung auf Probe zu geben und das Verhalten dann zu beobachten.

Wie beurteilen Tierarztpraxis und Physiotherapie Schmerzen beim Hund?

Tierarztpraxis und Physiotherapie beurteilen Schmerzen beim Hund mit drei Werkzeugen: Schmerzskalen für akute Schmerzen, Fragebögen für Halterinnen und Halter bei chronischen Schmerzen und der körperlichen Untersuchung von Gang, Haltung, Beweglichkeit und Muskulatur. Eine Messung für Schmerz gibt es nicht. Für akute Schmerzen, zum Beispiel nach einer Operation, ist die Glasgow-Schmerzskala am weitesten verbreitet. Sie bewertet Haltung, Verhalten, Reaktion auf Berührung, Bewegung und Lautäußerungen und legt fest, ab welchem Punktwert der Hund zusätzlich Schmerzmittel braucht.

Für chronische Schmerzen gibt es Fragebögen, die du als Halterin oder Halter ausfüllst, zum Beispiel den Helsinki Chronic Pain Index oder den Canine Brief Pain Inventory. Dort geht es um Alltagsfragen: Wie leicht steht dein Hund auf, wie gern spielt er, wie geht er Treppen, wie ist seine Stimmung. Solche Fragebögen sind wissenschaftlich geprüft und machen schleichende Veränderungen sichtbar, die im Gespräch untergehen. Wenn du den Verdacht auf chronische Schmerzen hast, frag in deiner Tierarztpraxis danach oder füll ihn zu Hause aus und bring ihn mit.

In der Physiotherapie kommt die körperliche Untersuchung dazu: Gangbild, Haltung, Sitztest, Beweglichkeit jedes Gelenks, Muskelumfang und Abtasten der Muskulatur. Vieles davon habe ich in den Abschnitten oben beschrieben, weil du es zu Hause selbst anschauen kannst. Die Diagnose, woher der Schmerz kommt, stellt die Tierärztin oder der Tierarzt, meist mit Röntgen oder Ultraschall. Was mich in der Ausbildung am meisten überrascht hat: Das Röntgenbild sagt wenig darüber, wie stark ein Hund leidet. Ich habe Hunde mit üblen Bildern und deutlicher Reaktion beim Abtasten gesehen, die im Alltag erstaunlich gut zurechtkamen. Umgekehrt gab es Hunde mit vergleichsweise milden Befunden, die starke Schmerzen hatten. Deshalb zählt das Verhalten mehr als das Bild. Ein Schmerzmittel auf Probe ist dabei ein anerkanntes Mittel: Wird der Hund darunter aktiver, fröhlicher und beweglicher, war der Schmerz da, auch wenn die Bilder unauffällig sind.

Was tun wenn der Hund Schmerzen hat?

Bei Verdacht auf Schmerzen beobachtest du deinen Hund gezielt, hältst die Beobachtungen fest und lässt ihn in der Tierarztpraxis untersuchen. Bis zum Termin vermeidest du Sprünge und abrupte Stopps. Schreib auf, was dir aufgefallen ist: seit wann, in welchen Situationen, bei welchen Bewegungen. Nimm Videos auf, besonders vom Aufstehen, vom Treppensteigen und vom Gang im Trab. Mit diesen Informationen kann die Tierarztpraxis viel gezielter untersuchen. Verändere bis zum Termin nichts an der Bewegung, außer dass du Spiele mit abrupten Stopps und Sprüngen weglässt.

Bei plötzlichen starken Schmerzen, bei einem Hund, der nicht mehr aufstehen kann, bei starkem Zittern mit Speicheln oder Erbrechen, bei aufgetriebenem Bauch mit Würgen und bei Blut im Urin oder Kot gehst du sofort in die Tierarztpraxis oder in die Notfallklinik.

Bei chronischen Schmerzen ist die Behandlung fast immer eine Kombination: Schmerzmittel, damit der Hund sich überhaupt wieder normal bewegen kann, Gewichtsmanagement, angepasste Bewegung und Physiotherapie, um Muskeln wieder aufzubauen und Ausweichmuster abzubauen. Die Ausweichmuster bleiben nämlich oft bestehen, auch wenn der ursprüngliche Schmerz behandelt ist. Ein Hund, der monatelang sein Gewicht nach vorn verlagert hat, muss erst wieder lernen, die Hinterhand zu benutzen.

Was tun, wenn der Hund Schmerzen hat
Was tun, wenn der Hund Schmerzen hat?

Welche Schmerzmittel für Hunde gibt es?

Für Hunde gibt es eigene, zugelassene Schmerzmittel: entzündungshemmende Wirkstoffe wie Meloxicam, Carprofen oder Firocoxib, den Wirkstoff Grapiprant, Metamizol für Bauch- und Kolikschmerzen und für Arthrose den monatlichen Antikörper Bedinvetmab. Welches Mittel passt, hängt von der Art des Schmerzes, vom Alter und von den Organwerten deines Hundes ab.

Welches Schmerzmittel für Hunde
Welches Schmerzmittel für Hunde?

Darf ich meinem Hund Schmerzmittel für Menschen geben?

Nein. Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen und Acetylsalicylsäure führen beim Hund schon in Dosierungen, die für uns harmlos sind, zu Magengeschwüren, Magenblutungen und Nierenschäden. Paracetamol ist für Hunde giftig und kann die Leber und die roten Blutkörperchen schädigen. Der einzige Wirkstoff aus der Hausapotheke, der auch beim Hund eingesetzt wird, ist Metamizol. Auch den gibt es nur nach tierärztlicher Verordnung und in der richtigen Dosis. Hat dein Hund akute Schmerzen, ruf in der Tierarztpraxis an, statt etwas aus dem eigenen Medikamentenschrank zu geben.

Fazit: So erkennst du Schmerzen beim Hund

Die wichtigste Fähigkeit beim Erkennen von Schmerzen ist nicht medizinisches Wissen, sondern genaues Hinsehen im Alltag. Wer weiß, wie der eigene Hund normalerweise aufsteht, sitzt, geht und auf Berührung reagiert, bemerkt Veränderungen lange bevor sie offensichtlich werden. Ein Blick auf die Haltung im Stand, der Sitztest und ein kurzes Video im Trab kosten nichts und liefern der Tierarztpraxis mehr Information als die meisten Erzählungen.

Lass dich dabei nicht vom Alter deines Hundes täuschen. Dass ein Senior langsamer wird, ist erwartbar. Dass er sich quält, ist es nicht. Je früher ein Schmerz erkannt und behandelt wird, desto weniger Ausweichmuster entstehen, desto besser bleibt die Muskulatur erhalten und desto länger bleibt dein Hund beweglich.

Weitere häufige Fragen zu Schmerzen beim Hund

Woran erkenne ich, ob mein Hund Schmerzen hat oder nur müde ist?

Müdigkeit vergeht nach dem Ausruhen, Schmerz nicht. Ein müder Hund steht nach dem Schlafen normal auf und freut sich auf den Spaziergang. Ein Hund mit Schmerzen ist nach dem Ruhen besonders steif, braucht Anlauf zum Aufstehen und zeigt weitere Zeichen wie Hecheln, Rückzug oder Empfindlichkeit bei Berührung.

Zittert mein Hund, weil er Schmerzen hat?

Zittern allein ist kein verlässliches Schmerzzeichen, weil Hunde auch bei Kälte, Aufregung, Angst und Übelkeit zittern. Zittern in Ruhe zusammen mit Hecheln, Unruhe, angespannter Haltung oder Zittern nur beim Aufstehen deutet auf Schmerzen hin. Plötzliches starkes Zittern mit Speicheln oder Erbrechen ist ein Notfall.

Warum hechelt mein Hund, obwohl es nicht warm ist?

Schmerz und Stress beschleunigen die Atmung. Hechelt dein Hund in Ruhe, nachts oder im kühlen Raum ohne vorherige Anstrengung, kann das Schmerz bedeuten. Auch Herz- und Lungenerkrankungen und bestimmte Medikamente, zum Beispiel Kortison, lösen Hecheln aus. Hecheln ohne erkennbaren Grund solltest du abklären lassen.

Wie kann ich zu Hause prüfen, ob mein Hund Schmerzen am Bewegungsapparat hat?

Beobachte das Aufstehen, das Sitzen und den Gang im Trab. Schiefes Sitzen, Kopfnicken beim Gehen, hüpfende Hinterbeine auf der Treppe, nach vorn verlagertes Gewicht und ein dünnerer Oberschenkel auf einer Seite sind typische Hinweise. Streiche mit flacher Hand über Rücken und Oberschenkel und achte auf Zucken, Verspannung oder Ausweichen.

Mein alter Hund wird langsamer. Ist das normal oder hat er Schmerzen?

Hunde werden im Alter ruhiger, aber Steifheit, Mühe beim Aufstehen, Vermeiden von Treppen und Sprüngen und weniger Freude an Bewegung sind keine normalen Alterserscheinungen, sondern meist Zeichen chronischer Schmerzen, am häufigsten durch Arthrose. Eine Untersuchung und eine passende Schmerzbehandlung geben vielen Senioren sichtbar Lebensfreude zurück.

Achtung: Ich erstelle meine Beiträge mit großer Sorgfalt, kann aber keine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit übernehmen. Sie dienen der allgemeinen Information von Hundehalterinnen und Hundehaltern und ersetzen keine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt. Wende dich bei Fragen zur Gesundheit deines Hundes, etwa zu Risiken und Nebenwirkungen von Medikamenten oder Futtermitteln, immer an eine Tierarztpraxis deines Vertrauens.

Quellen

  • Monteiro, B. P., Lascelles, B. D. X., Murrell, J., Robertson, S., Steagall, P. V. M. und Wright, B. (2023): 2022 WSAVA guidelines for the recognition, assessment and treatment of pain. Journal of Small Animal Practice 64, 177 bis 254
  • Mills, D. S. et al. (2020): Pain and Problem Behavior in Cats and Dogs. Animals 10, 318
  • Hyytiäinen, H. K., Mölsä, S. H., Junnila, J. T., Laitinen-Vapaavuori, O. M. und Hielm-Björkman, A. K. (2013): Ranking of physiotherapeutic evaluation methods as outcome measures of stifle functionality in dogs. Acta Veterinaria Scandinavica 55, 29
  • Reid, J., Nolan, A. M., Hughes, J. M. L., Lascelles, D., Pawson, P. und Scott, E. M. (2007): Development of the short-form Glasgow Composite Measure Pain Scale (CMPS-SF) and derivation of an analgesic intervention score. Animal Welfare 16, 97 bis 104
  • Hielm-Björkman, A. K., Rita, H. und Tulamo, R.-M. (2009): Psychometric testing of the Helsinki chronic pain index by completion of a questionnaire in Finnish by owners of dogs with chronic signs of pain caused by osteoarthritis. American Journal of Veterinary Research 70, 727 bis 734
  • Brown, D. C., Boston, R. C., Coyne, J. C. und Farrar, J. T. (2008): Ability of the canine brief pain inventory to detect response to treatment in dogs with osteoarthritis. Journal of the American Veterinary Medical Association 233, 1278 bis 1283
  • Goh, C.: The Efficient Orthopedic Exam. Veterinary Information Network (Kongressbeitrag)
  • Canine Arthritis Resources and Education (2019): Osteoarthritis Screening Tool
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Christina Williger

Christina Williger
Ernährungsberaterin für Hunde & Katzen | Autorin | Gründerin von Hund-als-Haustier.de

Tiere sind seit jeher ein zentraler Teil meines Lebens. Durch meine langjährige Erfahrung mit verschiedenen Haustieren sowie fast 20 Jahre im Pferdesport und Hundesport habe ich ein tiefes Verständnis für ihre Bedürfnisse entwickelt. Die gesundheitlichen Herausforderungen meines Hundes Aragon haben mich dazu bewegt, mich intensiv mit Tierernährung zu beschäftigen und mich zur zertifizierten Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen weiterzubilden. Heute teile ich mein Wissen und meine Erfahrung in Büchern, Ratgebern und Fachartikeln rund um die artgerechte Tierhaltung sowie die Ernährung von Hunden und Katzen.