Dein Hund steht morgens langsamer auf, zögert vor dem Sprung ins Auto oder läuft nach dem Spaziergang steif? Hinter solchen Veränderungen steckt oft eine Arthrose. Sie ist die häufigste Gelenkerkrankung beim Hund und beginnt meist lange, bevor man etwas sieht.
Arthrose begleitet mich seit vielen Jahren, bei meinen eigenen Hunden und bei den Hunden, die ich in der Physiotherapie sehe. In diesem Beitrag erfährst du, wie Arthrose entsteht, welche Faktoren sie begünstigen, wie sie behandelt wird und welche Nahrungsergänzungen wissenschaftlich tatsächlich gut belegt sind.

Das Wichtigste in Kürze zu Arthrose beim Hund
Arthrose ist eine fortschreitende Erkrankung des ganzen Gelenks, bei der Knorpel abgebaut wird, sich die Gelenkkapsel entzündet und der Knochen sich umbaut. Sie ist nicht heilbar, lässt sich aber mit Gewichtskontrolle, angepasster Bewegung, Physiotherapie und Schmerzmitteln oft über Jahre gut behandeln.
- In einer britischen Studie mit über 455.000 Hunden wurde bei 2,5 Prozent pro Jahr Arthrose diagnostiziert, im Schnitt mit 10,5 Jahren.
- Übergewichtige Hunde hatten ein 2,3‑fach erhöhtes Risiko für eine Arthrose-Diagnose.
- Beim Hund ist Arthrose meist die Folge einer anderen Erkrankung, etwa einer Hüft- oder Ellbogendysplasie oder eines Kreuzbandrisses.
- Bei den Nahrungsergänzungen sind Omega-3-Fettsäuren am besten belegt; für Glucosamin und Chondroitin fand eine große Metaanalyse keinen Nutzen.
Was ist Arthrose beim Hund?
Arthrose ist eine chronische, fortschreitende Erkrankung des Gelenks. Der Gelenkknorpel wird nach und nach abgebaut, die Gelenkinnenhaut entzündet sich, der Knochen unter dem Knorpel verdichtet sich und am Gelenkrand entstehen knöcherne Anbauten, die Osteophyten. Das Gelenk wird steifer, die Beweglichkeit nimmt ab und Bewegung tut weh.
Häufig werden Arthrose und Arthritis verwechselt. Arthritis bezeichnet eine Gelenkentzündung, zum Beispiel durch eine Infektion oder eine Immunerkrankung. Bei der Arthrose steht der Verschleiß im Vordergrund, auch wenn sie immer wieder mit entzündlichen Schüben einhergeht. Im Englischen heißt die Arthrose „osteoarthritis“, was die Verwechslung zusätzlich fördert.

Der Schmerz entsteht vor allem in der Gelenkkapsel, in der Gelenkinnenhaut und im Knochen, denn der Knorpel selbst hat keine Nerven. Bei länger bestehender Arthrose kann sich das Nervensystem zusätzlich sensibilisieren, sodass schon normale Bewegungen schmerzen.
Wie häufig ist Arthrose beim Hund?
Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung beim Hund. In der bisher größten Studie dazu werteten Forschende des Royal Veterinary College die Daten von über 455.000 Hunden aus britischen Tierarztpraxen aus. Bei 2,5 Prozent der Hunde wurde innerhalb eines Jahres Arthrose an den Gliedmaßen festgestellt. Im Schnitt waren die Hunde bei der Diagnose 10,5 Jahre alt. Die Erkrankung begleitete sie über rund 11 Prozent ihrer Lebenszeit.
Besonders häufig betroffen waren unter anderem Rottweiler, Bordeauxdoggen, Labrador und Golden Retriever, Deutsche Schäferhunde, Border Collies und Springer Spaniel. Übergewichtige Hunde hatten ein 2,3‑fach erhöhtes Risiko. Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, weil viele Hunde ihre Schmerzen lange verbergen und die Veränderungen dem Alter zugeschrieben werden.
Welche Ursachen hat Arthrose beim Hund?
Beim Hund ist Arthrose fast immer eine Folgeerkrankung. Sie entsteht, wenn ein Gelenk über lange Zeit falsch belastet wird oder instabil ist. Die häufigsten Auslöser sind:
- Hüftdysplasie (HD) und Ellbogendysplasie (ED), also Fehlentwicklungen der Gelenke im Wachstum
- Kreuzbandriss, nach dem das Kniegelenk instabil wird
- Patellaluxation, bei der die Kniescheibe aus ihrer Führung springt
- Osteochondrose (OCD), eine Störung der Knorpelentwicklung bei jungen Hunden
- Verletzungen, etwa Gelenkbrüche oder Bänderverletzungen
Eine Arthrose ohne erkennbare Vorerkrankung, die sogenannte primäre Arthrose, ist beim Hund selten. Das ist eine gute Nachricht, denn viele der Ursachen lassen sich beeinflussen.
Welche Faktoren erhöhen das Risiko für Arthrose?
Das Risiko für Arthrose steigt mit Übergewicht, mit falscher Ernährung im Wachstum, mit hoher Belastung junger Gelenke, mit bestimmten Sportarten und bei großen Rassen auch mit einer frühen Kastration. Eine systematische Übersichtsarbeit zu Risikofaktoren fasst die Studienlage dazu zusammen. Einige dieser Faktoren sehe ich in der Physiotherapie immer wieder, auch solche, die in Studien kaum untersucht sind.
Übergewicht
Übergewicht ist der wichtigste Risikofaktor, den du selbst in der Hand hast. Jedes Kilo zu viel erhöht die Last auf die Gelenke. Fettgewebe gibt außerdem entzündungsfördernde Botenstoffe ab. In einer lebenslangen Studie mit 48 Labradoren bekam die eine Hälfte ein Viertel weniger Futter als ihre Geschwister. Die schlanken Hunde entwickelten später und weniger schwere Hüftarthrosen als die normal gefütterten.
Umgekehrt hilft Abnehmen auch dann noch, wenn die Arthrose schon da ist. In einer Studie mit übergewichtigen Hunden mit Arthrose besserte sich die Lahmheit schon ab einem Gewichtsverlust von 6 Prozent deutlich. Bei einem 30-Kilo-Hund sind das weniger als 2 Kilo. Wie du Übergewicht erkennst und abbaust, ist deshalb einer der wichtigsten Schritte bei Arthrose.
Ernährung im Wachstum
Was ein Welpe frisst, prägt seine Gelenke für das ganze Leben. Bei großen Rassen begünstigen zu viel Energie und zu viel Kalzium Entwicklungsstörungen wie Hüftdysplasie, Ellbogendysplasie und Osteochondrose. In Studien mit Doggenwelpen führte ein zu hoher Kalziumgehalt zu schweren Störungen der Skelettentwicklung. Welpen, die so viel fressen durften, wie sie wollten, hatten häufiger Osteochondrose der Schulter als Welpen, die 60 Prozent dieser Menge bekamen.
Als Ernährungsberaterin sehe ich hier zwei typische Fehler. Der erste ist zusätzliches Kalzium zu einem fertigen Welpenfutter, weil man dem wachsenden Hund etwas Gutes tun will; ein vollwertiges Welpenfutter enthält bereits alles, was er braucht. Außerdem gilt ein runder, schnell wachsender Welpe oft als besonders gesund. Große Rassen sollten gleichmäßig und eher langsam wachsen. Ein gesunder Welpe ist schlank.

Bewegung im Welpenalter
Junge Gelenke brauchen Bewegung, aber die richtige. Eine norwegische Studie mit 501 Welpen von Neufundländern, Labradoren, Leonbergern und Irischen Wolfshunden fand ein höheres Risiko für Hüftdysplasie, wenn die Welpen in den ersten drei Lebensmonaten Treppen liefen. Freier Auslauf auf weichem, unebenem Gelände im selben Alter senkte das Risiko dagegen. Auch der Untergrund in der Wurfkiste spielt nach einer neueren Studie offenbar eine Rolle.
Für den Alltag heißt das: Treppen in den ersten Monaten tragen, freies Spielen und Erkunden auf Wiese und Waldboden ermöglichen, lange gleichförmige Märsche und wilde Sprünge vermeiden.
Ballspielen
Ballspiele sind für viele Hunde das Größte und für die Gelenke eine echte Belastung. Beim Hinterherrennen beschleunigt der Hund maximal, bremst abrupt ab, dreht sich und springt. Diese Kräfte wirken vor allem auf Schulter, Ellbogen, Karpalgelenke und Zehen. In einer Studie mit Labradoren war das Hinterherrennen nach geworfenen Bällen oder Stöcken laut der oben genannten Übersichtsarbeit mit einem 2,4‑fach erhöhten Risiko für Hüftdysplasie und Ellbogenarthrose verbunden.
Aragon war als junger Hund ein echter Balljunkie, der nie genug bekommen konnte. Die vielen wilden Ballspiele haben bei ihm zu den Arthrosen in den Pfoten beigetragen. Heute rate ich zu Such- und Apportierspielen, bei denen der Ball liegt oder versteckt wird, statt ihn weit zu werfen. Der Hund darf ihn dann ruhig holen, aber ohne Vollgas und Vollbremsung.
Hundesport
Hundesport hält fit und stärkt die Bindung, belastet die Gelenke aber stark. In einer Befragung zu über 4.700 Agility-Hunden hatten 41,7 Prozent eine Verletzung, die sie mindestens eine Woche aus dem Training nahm. Am häufigsten war die Schulter betroffen, gefolgt vom Lendenmuskel Iliopsoas. Ein höheres Risiko hatten Hunde, die vor dem 18. Lebensmonat mit Sprungtraining begannen oder über Hürden oberhalb ihrer Schulterhöhe sprangen. Gummimatten als Untergrund waren mit einem geringeren Risiko verbunden.
Ich war selbst im Hundesport aktiv und sehe ihn nicht als Problem, wenn Aufbau und Belastung stimmen: kein Sprungtraining vor dem Ende des Wachstums, Aufwärmen vor jeder Einheit, Pausen nach Verletzungen und regelmäßiges Muskeltraining.
Kastration bei großen Rassen
Bei manchen großen Rassen ist eine frühe Kastration mit mehr Gelenkerkrankungen verbunden. Eine Auswertung von 35 Hunderassen der Universität Davis fand bei Labrador, Golden Retriever und Deutschem Schäferhund nach einer Kastration im ersten Lebensjahr ein zwei- bis vierfach höheres Risiko für Hüftdysplasie, Ellbogendysplasie oder Kreuzbandriss. Bei kleinen Rassen zeigte sich kein solcher Zusammenhang. Es handelt sich um Daten aus einer Klinik, die einen Zusammenhang zeigen, aber keine Ursache beweisen. Wenn du einen großen Hund hast, lohnt es sich, den Zeitpunkt einer Kastration mit der Tierarztpraxis gut abzuwägen.
Zu lange Krallen
Zu lange Krallen sind ein unterschätzter Faktor. Sie berühren beim Stehen den Boden, drücken die Zehen nach oben und verändern so die Stellung der ganzen Pfote. Der Hund verlagert sein Gewicht, die Belastung von Zehen, Karpalgelenken, Ellbogen und Schultern ändert sich und die Muskulatur muss ständig ausgleichen. Dazu gibt es kaum Studien, in der Physiotherapie ist es aber eines der ersten Dinge, auf die ich schaue. Hörst du die Krallen auf hartem Boden klacken, sind sie meist schon zu lang.
Geschirr und Halsband
Ein Geschirr soll die Schulter frei lassen. Eine kleine Studie mit neun Hunden zeigte, dass beide getesteten Geschirrtypen die Streckung der Schulter im Schritt und Trab einschränkten, überraschenderweise das Y‑Geschirr sogar etwas stärker als das Geschirr mit querem Brustgurt. Wichtiger als der Typ ist deshalb die Passform: Kein Gurt sollte über das Schultergelenk laufen oder beim Laufen in die Achsel drücken. Wenn dein Hund mit Arthrose an der Schulter oder dem Ellbogen ein Geschirr trägt, lass die Passform am besten bei einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten prüfen.
Rutschige Böden und Treppen
Fliesen, Laminat und Parkett sind für Hunde mit Gelenkproblemen eine tägliche Herausforderung. Rutscht ein Hund beim Aufstehen oder in Kurven weg, spannt er dauerhaft die Muskulatur an, um sich zu halten. Seine Gelenke belastet er dabei ungleichmäßig. Läufer und Teppiche auf den Hauptwegen, eine rutschfeste Unterlage am Futterplatz und eine Rampe statt des Sprungs ins Auto oder aufs Sofa entlasten im Alltag enorm.
Woran erkenne ich Arthrose beim Hund?
Arthrose beginnt schleichend. Typische Anzeichen sind:
- Steifheit nach dem Liegen, die sich nach einigen Minuten Bewegung bessert
- langsames Aufstehen, Zögern vor Treppen, Sprüngen oder dem Einsteigen ins Auto
- kürzere Spaziergänge, Zurückbleiben oder Hinsetzen unterwegs
- wechselnde oder bleibende Lahmheit, oft stärker nach Belastung oder bei Kälte und Nässe
- Lecken an einem Gelenk, Unruhe in der Nacht, Gereiztheit bei Berührung
- Muskelabbau an den Hinterbeinen oder an der Schulter
Viele dieser Veränderungen werden als normales Altern abgetan. Dabei sind sie oft ein Zeichen von Schmerzen. Für die Einschätzung im Alltag gibt es inzwischen validierte Fragebögen für Halterinnen und Halter, die viele Tierarztpraxen einsetzen.
Wie wird Arthrose beim Hund diagnostiziert?
Die Diagnose stellt die Tierarztpraxis aus dem Vorbericht, einer orthopädischen Untersuchung und meist Röntgenbildern. Bei der Untersuchung werden die Gelenke abgetastet, gebeugt und gestreckt, auf Schmerz, Schwellung, Knirschen und Beweglichkeit geprüft. Auf dem Röntgenbild sind Osteophyten, ein verengter Gelenkspalt und Veränderungen am Knochen zu sehen.

In meinen Fortbildungen zum Lesen von Röntgenbildern war ein Punkt besonders eindrücklich: Röntgenbefund und Beschwerden passen nicht immer zusammen. Manche Hunde mit deutlichen Veränderungen laufen erstaunlich gut, andere mit kleinen Befunden haben starke Schmerzen. Entscheidend für die Behandlung ist deshalb, wie es deinem Hund im Alltag geht.
Wie wird Arthrose beim Hund behandelt?
Arthrose wird multimodal behandelt, also mit mehreren Bausteinen gleichzeitig: Schmerztherapie, Gewichtskontrolle, angepasste Bewegung und Physiotherapie, Anpassungen im Alltag und gegebenenfalls Nahrungsergänzungen. Liegt eine behandelbare Ursache vor, etwa ein Kreuzbandriss, kann eine Operation das Fortschreiten verlangsamen.
Bei den Medikamenten stehen vor allem entzündungshemmende Schmerzmittel wie Meloxicam oder Carprofen zur Verfügung, außerdem Galliprant bei leichter bis mittlerer Arthrose und der Antikörper Librela als monatliche Spritze. Gegen chronische Schmerzen setzt die Tierarztpraxis manchmal zusätzlich Gabapentin oder Amantadin ein, bei akuten Schüben Metamizol.

Bei meinem Hund Aragon war die Schmerztherapie ein ständiges Abwägen. Meloxicam linderte seine Schmerzen, schlug ihm auf Dauer aber stark auf den Magen. Librela half ihm zunächst deutlich, bis er Lähmungserscheinungen der Hinterhand entwickelte. Bei Hunden mit neurologischen Vorerkrankungen wie seinem Cauda-equina-Syndrom sehe ich Librela heute deshalb kritisch.
Was bringt Physiotherapie bei Arthrose?
Physiotherapie verbessert bei Arthrose nachweislich die Beweglichkeit, erhält die gelenkstabilisierende Muskulatur und hilft beim Abnehmen. In einer Studie mit 29 übergewichtigen Hunden mit Arthrose verloren die Hunde mit intensiver Physiotherapie in sechs Monaten 13,6 Prozent ihres Gewichts, die mit einem einfachen Heimprogramm 9,3 Prozent; Gewichtsreduktion und intensive Physiotherapie zusammen verbesserten die Beweglichkeit am stärksten.
Die Studienlage ist insgesamt noch dünn, wie zwei aktuelle Übersichtsarbeiten zu physiotherapeutischen Methoden und zu nicht medikamentösen Behandlungen zeigen. Am besten belegt sind therapeutische Übungen und das Unterwasserlaufband. In einer randomisierten Studie mit 32 Hunden mit Hüftdysplasie verbesserten sich Lebensqualität und Oberschenkelumfang bei den Hunden, die mehrere Behandlungen kombiniert bekamen, am deutlichsten. Für Lasertherapie gibt es erste positive Ergebnisse, für Elektrotherapie wie TENS allein beim Hund bisher keine Studien.
Als tierärztlich geprüfte Tierphysiotherapeutin (in Ausbildung) setze ich bei Arthrose vor allem auf drei Dinge:
- Gleichmäßige Bewegung: mehrere kurze Runden am Tag statt einer langen am Wochenende, im Schritt oder ruhigen Trab, möglichst auf weichem Untergrund
- Kraft und Stabilität: einfache Übungen wie langsames Gehen über Stangen, Gehen bergauf, Sitz-Steh-Wechsel oder Balance auf weichem Untergrund
- Beweglichkeit und Entspannung: passive Bewegungsübungen, Massage und Wärme für verspannte Muskulatur, die Schonhaltungen ausgleicht
In der Physiotherapie erlebe ich immer wieder, wie viel diese Bausteine zusammen ausmachen, gerade wenn sie über Monate und Jahre konsequent im Alltag umgesetzt werden. Aus langen Spaziergängen werden dann oft viele kurze Runden, aber die Hunde bleiben unterwegs.
Welche Nahrungsergänzungen sind bei Arthrose gut belegt?
Am besten belegt sind bei Arthrose Omega-3-Fettsäuren, als Zusatz oder als Bestandteil einer speziellen Gelenkdiät. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2022 mit 72 Studien fand für omega-3-angereicherte Diäten und Omega-3-Präparate eine deutliche schmerzlindernde Wirkung, für Cannabidiol eine schwächere, für Kollagen nur eine geringe. Für Glucosamin und Chondroitin fanden die Autoren keinen Nutzen und empfehlen, sie bei Arthroseschmerzen nicht mehr einzusetzen.
Auch beim Menschen ist die Lage nicht eindeutig. Die amerikanische Rheumatologen-Gesellschaft und die internationale Arthrose-Fachgesellschaft OARSI raten bei Kniearthrose von Glucosamin und Chondroitin ab. Nur die europäische Fachgesellschaft ESCEO empfiehlt bestimmte Arzneimittel in pharmazeutischer Qualität, nicht aber frei verkäufliche Präparate. Einig sind sich alle Leitlinien in einem Punkt: Bewegungstraining und Gewichtsabnahme sind die Grundlage jeder Arthrosebehandlung. Die Gelenkpräparate für Hunde sind Ergänzungsfuttermittel und mit diesen Arzneimitteln nicht vergleichbar.
| Nahrungsergänzung | Studienlage bei Arthrose beim Hund |
|---|---|
| Omega-3-Fettsäuren* (Fischöl, Algenöl) | gut belegt, deutlichster Effekt aller Nahrungsergänzungen |
| Grünlippmuschel* | gut belegt als Omega-3-Quelle, in der Metaanalyse zu den Omega-3-Präparaten gezählt |
| Gelenkdiäten mit viel Omega‑3 | gut belegt |
| Cannabidiol (CBD) | vielversprechend, aber Dosis und Präparate noch unklar |
| Kollagen* (vor allem nicht denaturiertes Typ-II-Kollagen) | schwach, Ergebnisse uneinheitlich |
| MSM* | sehr wenige Studien |
| Kurkuma*, Weihrauch*, Ingwer* | sehr wenige, meist kleine Studien |
| Teufelskralle* | beim Hund kaum untersucht, beim Menschen Hinweise auf Schmerzlinderung; kann die Magensäure erhöhen |
| Glucosamin und Chondroitin | kein Nutzen nachgewiesen |
| Weidenrinde | enthält Salicylate, nicht zusammen mit Schmerzmitteln geben |
Grünlippmuschel-Präparate zählen zu den Omega-3-Quellen, wie die Canine Arthritis Resources and Education in ihrer Zusammenfassung der Metaanalyse erklärt.
Als Ernährungsberaterin achte ich bei Nahrungsergänzungen auf drei Dinge. Erstens zählt die Menge an EPA und DHA, nicht die Menge an Öl; viele Präparate sind zu niedrig dosiert, um überhaupt etwas zu bewirken. Zweitens braucht Omega‑3 Zeit, meist mehrere Wochen, bis sich ein Effekt zeigen kann. Drittens passt nicht jede Ergänzung zu jedem Medikament: Weidenrinde enthält Salicylate, also Verwandte der Acetylsalicylsäure. Mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln sollte sie deshalb nicht kombiniert werden. Ähnliches gilt für Teufelskralle. Beim Hund ist sie allein kaum untersucht, eine kleine Studie hat sie nur als Teil eines Kombipräparats getestet. Für den Menschen legen die besseren Studien laut einer Übersichtsarbeit eine Schmerzlinderung bei Arthrose nahe. Teufelskralle kann aber die Bildung von Magensäure anregen. Bekommt dein Hund entzündungshemmende Schmerzmittel oder hat er einen empfindlichen Magen, solltest du sie nur nach Rücksprache geben. Stimm jedes Präparat deshalb mit der Tierarztpraxis ab.
Was kann ich zu Hause bei Arthrose tun?
Zu Hause kannst du viel tun, damit dein Hund mit Arthrose besser zurechtkommt:
- Liegeplatz: ein orthopädisches Hundebett mit fester, druckentlastender Füllung, an einem zugfreien, warmen Platz
- Rutschfeste Wege: Läufer und Teppiche auf Fliesen und Laminat, besonders an Stellen, an denen dein Hund aufsteht oder abbiegt
- Rampe statt Sprung: für Auto, Sofa und Bett
- Wärme: Viele Hunde mit Arthrose mögen Wärme, etwa einen Hundemantel bei nasskaltem Wetter
- Kurze Runden: lieber vier kurze Spaziergänge als zwei lange, an schlechten Tagen eher weniger
- Krallen kurz halten: regelmäßig kontrollieren und kürzen
- Futternapf erhöht: bei Arthrose an Ellbogen oder Wirbelsäule kann eine leicht erhöhte Fütterung angenehmer sein

Wie wirkt sich Arthrose auf die Lebenserwartung aus?
Arthrose selbst verkürzt das Leben nicht direkt, sie beeinträchtigt aber die Lebensqualität oft über Jahre. In der großen britischen Studie begleitete sie die betroffenen Hunde über rund ein Zehntel ihres Lebens. Gut behandelt können viele Hunde mit Arthrose trotzdem lange aktiv und zufrieden leben.
Mein Labrador Aragon wurde trotz Arthrosen, Spondylose und Herzinsuffizienz fast 15 Jahre alt. Ich bin überzeugt, dass das konsequente Gewichtsmanagement, die angepasste Ernährung und die jahrelange Physiotherapie einen großen Anteil daran hatten.
Weitere häufige Fragen zu Arthrose beim Hund
Nein. Die Veränderungen am Gelenk lassen sich nicht rückgängig machen. Mit Gewichtskontrolle, angepasster Bewegung, Physiotherapie und Schmerzmitteln lassen sich die Beschwerden aber oft über Jahre gut kontrollieren und das Fortschreiten verlangsamen.
Ein Hund mit Arthrose braucht regelmäßige, gleichmäßige Bewegung, aber keine Höchstleistungen. Mehrere kurze Runden am Tag sind besser als eine lange. Wildes Rennen, abruptes Abstoppen und Springen solltest du vermeiden.
Bei chronischen Arthroseschmerzen empfinden die meisten Hunde Wärme als angenehm, weil sie die Muskulatur entspannt. Ein akutes, heißes und geschwollenes Gelenk solltest du dagegen eher kühlen. Im Zweifel frag in der Tierarztpraxis nach.
Nach einer großen Metaanalyse aus dem Jahr 2022 haben Glucosamin und Chondroitin keinen nachweisbaren Nutzen bei Arthroseschmerzen. Auch beim Menschen raten die meisten Fachgesellschaften von frei verkäuflichen Präparaten ab. Besser belegt sind Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl, Algenöl oder Grünlippmuschel.
Arthrose kann in jedem Alter auftreten, wenn eine Vorerkrankung wie eine Hüftdysplasie vorliegt. Im Schnitt wird sie mit etwa 10,5 Jahren diagnostiziert, beginnt aber oft Jahre früher.
Besonders häufig betroffen sind große Rassen wie Rottweiler, Labrador und Golden Retriever, Deutscher Schäferhund und Bordeauxdogge, aber auch Border Collie und Springer Spaniel. Grundsätzlich kann Arthrose jeden Hund treffen, auch Mischlinge und kleine Rassen.
Achtung: Ich erstelle meine Beiträge mit großer Sorgfalt, kann aber keine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit übernehmen. Sie dienen der allgemeinen Information von Hundehalterinnen und Hundehaltern und ersetzen keine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt. Wende dich bei Fragen zur Gesundheit deines Hundes, etwa zu Risiken und Nebenwirkungen von Medikamenten oder Futtermitteln, immer an eine Tierarztpraxis deines Vertrauens.
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