Tierarzt online: Termin buchen, Anamnese ausfüllen, Videosprechstunde nutzen

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Einen Tierarzttermin in den Arbeitstag zu bekommen, ist für viele Halterinnen und Halter schwierig. In einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Tierarztkette Rex gaben 40 Prozent an, schon einmal einen Termin während der Arbeitszeit ausgelassen oder verschoben zu haben. Fast jede dritte Person hat für einen Tierarztbesuch Überstunden abgebaut oder Urlaub genommen. In der Humanmedizin ist die Online-Terminbuchung längst Alltag: Nach einer Bitkom-Erhebung von 2025 haben 64 Prozent der Deutschen schon einmal einen Arzttermin online vereinbart, zwei Jahre vorher waren es 36 Prozent.

Beim Tierarzt bleibt die Praxis trotzdem die erste Anlaufstelle. In der Haustier-Studie 2026 der Uelzener Versicherungen wenden sich 61 Prozent der befragten Hunde- und Katzenhalterinnen und -halter bei Krankheitssymptomen zuerst an die Tierarztpraxis, 22 Prozent recherchieren zuerst im Internet, 6 Prozent fragen ein KI-Werkzeug. Digitale Angebote ersetzen den Besuch also nicht. Sie nehmen dir aber Wege und Telefonate ab, wenn du weißt, was es gibt und wo die Grenzen liegen.

Mann sitzt mit seinem Labrador im Wohnzimmer auf dem Boden und schaut auf ein Tablet
Online-Termin, Anamnesebogen und Videosprechstunde: Was deine Tierarztpraxis anbietet, siehst du auf ihrer Website

Das Wichtigste in Kürze zu digitalen Tierarztangeboten

Mit der passenden Praxissoftware kann deine Tierarztpraxis Online-Termine, einen Anamnesebogen zum Ausfüllen vorab und eine Videosprechstunde anbieten. Was deine Praxis nutzt, siehst du auf ihrer Website oder fragst am Empfang. Eine Videosprechstunde ersetzt keine Untersuchung: Nach den Empfehlungen der Bundestierärztekammer ist per Video höchstens eine Verdachtsdiagnose möglich.

  • Verschreibungspflichtige Medikamente gibt es nach einer reinen Videosprechstunde in der Regel nicht. Ausnahme sind Folgerezepte, wenn die Praxis deinen Hund vorher untersucht hat.
  • Bei Notfällen hilft keine Online-Buchung. Dann rufst du die Praxis oder den tierärztlichen Notdienst an.
  • Für Reisen in der EU braucht dein Hund weiterhin den EU-Heimtierausweis, einen Mikrochip und eine gültige Tollwutimpfung, ein Eintrag im Halter-Portal ersetzt das nicht.
  • Deine Daten in der Praxissoftware unterliegen der Datenschutz-Grundverordnung. Die Datenschutzerklärung der Praxis sagt dir, wo sie liegen.

Was kann eine digitale Tierarztpraxis heute anbieten?

Welche digitalen Wege eine Praxis anbietet, hängt von ihrer Praxissoftware ab. Solche Programme bündeln Kalender, Tierakte und Abrechnung, manche haben Funktionen für Halterinnen und Halter eingebaut. Bei einer Praxissoftware wie Petflare, die Praxen im Browser nutzen, sieht das zum Beispiel so aus:

  • Termine buchst du über eine Buchungsseite der Praxis.
  • Vor dem Termin füllst du einen Anamnesebogen online aus.
  • Die Praxis verschickt Erinnerungen an Termine per E-Mail oder SMS.
  • Über eine Videosprechstunde klärt die Praxis Rückfragen und Kontrollen.
  • In einem Halter-Portal siehst du Termine und Rechnungen und lädst Dokumente herunter.
  • Rechnungen bezahlst du per Karte in der Praxis oder online.

Nicht jede Praxis nutzt alle diese Funktionen, bei vielen Programmen sind einzelne davon Zusatzmodule, die eine Praxis bucht oder weglässt. Schau deshalb zuerst auf die Website deiner Praxis: Ein Button wie „Termin online buchen“ ist das deutlichste Zeichen.

Wie funktioniert die Online-Terminbuchung beim Tierarzt?

Bei der Online-Terminbuchung wählst du auf der Website der Praxis die Art des Termins, etwa Impfung, Kontrolle oder Erstuntersuchung. Danach siehst du die freien Zeiten. Der Termin steht danach direkt im Kalender der Praxis. Du kannst abends buchen, wenn die Praxis geschlossen ist und du endlich Zeit hast. Und du siehst alle freien Zeiten auf einen Blick, statt am Telefon ein paar Vorschläge zu hören.

Ein Beispiel: Dein Hund braucht die jährliche Impfung. Du buchst am Sonntagabend einen Termin für Mittwoch um 17:30 Uhr, nach Feierabend. Nutzt die Praxis Erinnerungen, bekommst du am Dienstag eine SMS. Achte beim Buchen auf die richtige Terminart, danach richtet die Praxis, wie viel Zeit sie für dich einplant. Bei Notfällen hilft die Online-Buchung nicht: Wenn dein Hund akut krank ist, etwa weil er erbricht und nicht aufhört, rufst du die Praxis oder den Notdienst an.

Wie funktioniert die Online-Terminbuchung beim Tierarzt?
Wie funktioniert die Online-Terminbuchung beim Tierarzt?

Was bringt die Online-Anamnese vor dem Termin?

Manche Praxissoftware erlaubt es, einen Anamnesebogen online zu verschicken. Du bekommst einen Link per E-Mail oder scannst einen QR-Code am Empfang und beantwortest die Fragen auf dem Handy. Die Antworten landen in der Tierakte deines Hundes, bevor du die Praxis betrittst.

Typische Fragen drehen sich um den Grund des Besuchs, frühere Erkrankungen und Operationen, Impfungen, Medikamente und Fütterung. Du füllst den Bogen in Ruhe zu Hause aus, mit dem Impfpass und den Unterlagen deines Hundes daneben. Im Wartezimmer mit einem nervösen Hund an der Leine fällt dir das Datum der letzten Entwurmung schwerer ein. Gerade die Frage nach den Medikamenten lohnt die Sorgfalt: Alles, was dein Hund bekommt, auch Nahrungsergänzungen, sollte die Praxis kennen, bevor sie etwas Neues verordnet.

Ein Beispiel: Du ziehst mit deiner Hündin in eine neue Stadt und meldest dich bei einer neuen Praxis an. Die Praxis schickt dir den Bogen für die Erstvorstellung per Link. Du trägst Vorerkrankungen und Medikamente ein, die Tierärztin oder der Tierarzt liest die Angaben vor dem Termin.

Was kann eine Videosprechstunde beim Tierarzt leisten und was nicht?

Eine Videosprechstunde läuft wie ein Videoanruf. Du bekommst einen Link, öffnest ihn im Browser und sprichst mit der Tierärztin oder dem Tierarzt, während dein Hund vor der Kamera ist. Die Bundestierärztekammer hat 2020 Empfehlungen zur Telemedizin veröffentlicht, aus denen sich klare Grenzen ergeben:

  • Diagnose: Per Video ist allenfalls eine vorläufige oder Verdachtsdiagnose möglich. Eine abschließende Diagnose setzt eine eingehende klinische Untersuchung voraus.
  • Medikamente: Verschreibungspflichtige Arzneimittel sollen nicht allein aufgrund einer Videosprechstunde verordnet werden. Ausgenommen sind Folgeverordnungen, wenn das Tier vorher gründlich untersucht wurde.
  • Anbieter: Telemedizinische Leistungen sollen an eine Niederlassung gebunden sein, also an eine Praxis oder eine dort angestellte Tierärztin oder einen dort angestellten Tierarzt.

Sinnvoll ist die Videosprechstunde deshalb für Rückfragen und Kontrollen. Nach einer Operation zeigst du die Naht in die Kamera. Die Praxis sagt dir, ob alles gut aussieht. Oder du fragst nach, wie du ein Medikament weiter gibst, das dein Hund in der Praxis verschrieben bekommen hat. Auch eine Videosprechstunde kostet Geld. Tierärztinnen und Tierärzte rechnen nach der Gebührenordnung (GOT) ab, frag vorher, was der Termin kostet.

Neben der eigenen Praxis gibt es reine Online-Tierarztdienste. Hat die Tierärztin oder der Tierarzt dort deinen Hund noch nie untersucht, gelten dieselben Grenzen: Für eine Diagnose und für verschreibungspflichtige Medikamente führt der Weg in eine Praxis. Für die Einschätzung, ob ein Besuch überhaupt nötig ist, kann so ein Dienst trotzdem helfen.

Was kann eine Videosprechstunde beim Tierarzt leisten und was nicht?
Was kann eine Videosprechstunde beim Tierarzt leisten und was nicht?

Warum gibt es ein Rezept nur nach einer Untersuchung?

Das ist keine Vorsicht der Praxis, sondern Gesetz. Das EU-Tierarzneimittelrecht verlangt, dass ein Rezept erst nach einer klinischen Untersuchung oder einer anderen angemessenen Prüfung des Gesundheitszustands ausgestellt wird. Der Grund ist derselbe wie bei jedem Medikament: Die Praxis haftet für Dosis, Verträglichkeit und Nebenwirkungen. Beides lässt sich per Kamera nicht beurteilen. Welche Schmerzmittel für Hunde es gibt und warum keines davon ohne Rezept zu haben ist, zeigt, wie eng diese Regeln sind. Dasselbe gilt für Humanmedikamente beim Hund, die die Praxis nur umwidmen darf, wenn sie das Tier kennt. Eine Videosprechstunde, in der die Tierärztin oder der Tierarzt deinen Hund schon untersucht hat und die Akte vor sich hat, ist deshalb etwas anderes als ein Online-Dienst, der ihn zum ersten Mal sieht.

Was bringt ein Halter-Portal mit Erinnerungen, Rechnungen und Dokumenten?

Einige Praxen bieten ein Halter-Portal an, auch Tierhalter-Portal genannt. Es funktioniert ähnlich wie eine App, läuft bei den meisten Anbietern aber im Browser, du musst nichts installieren. Dort siehst du deine Termine und Rechnungen und lädst Dokumente wie Befunde herunter.

Für dich heißt das: Du suchst die Rechnung für die Hundekrankenversicherung nicht mehr im Papierstapel, sondern lädst sie im Portal herunter. Und du siehst den nächsten Termin, ohne in deinen Mails zu suchen. Frag am Empfang, ob die Praxis per E-Mail oder SMS an Termine und fällige Impfungen erinnert und ob du dich dafür anmelden musst.

Was gilt für Impfpass und Reisen?

Wenn du mit deinem Hund innerhalb der EU verreist, gelten feste Regeln. Nach dem EU-Portal „Ihr Europa“ braucht dein Hund einen Mikrochip, der vor der Tollwutimpfung gesetzt wurde, eine gültige Tollwutimpfung, bei der er bei der Erstimpfung mindestens 12 Wochen alt sein muss und nach der du mindestens 21 Tage wartest, bevor du verreist, sowie einen EU-Heimtierausweis, den eine dazu ermächtigte Tierärztin oder ein ermächtigter Tierarzt ausstellt.

Auch wenn deine Praxis Impfungen im Halter-Portal anzeigt: Für die Reise zählt der EU-Heimtierausweis. Nimm ihn mit und lass die Tollwutimpfung dort eintragen, bevor der Schutz abläuft. Läuft er ab, gilt dein Hund als neu geimpft. Die 21 Tage Wartezeit beginnen von vorn.

Wo landen meine Daten in der Praxissoftware?

Dein Name, deine Adresse und deine Telefonnummer sind personenbezogene Daten im Sinne der Datenschutz-Grundverordnung. Wenn du einen Termin online buchst oder einen Anamnesebogen ausfüllst, gibst du diese Daten an die Praxis und damit an ihren Softwareanbieter weiter. Achte darauf, dass die Website der Praxis eine Datenschutzerklärung hat. Lies dort, welche Software und welche Dienstleister sie nennt. Bei Petflare zum Beispiel liegen die Daten auf Servern in Deutschland, mehr dazu auf petflare.io. Frag deine Praxis, in welchem Land ihr Anbieter die Daten speichert.

Wie finde ich heraus, was meine Praxis anbietet?

Diese Fragen kannst du beim nächsten Besuch stellen oder auf der Website prüfen:

  • Kann ich Termine online buchen? Für welche Terminarten?
  • Gibt es einen Anamnesebogen, den ich vorher ausfüllen kann?
  • Bietet die Praxis eine Videosprechstunde an? Was kostet sie?
  • Bekomme ich Erinnerungen an Termine und fällige Impfungen?
  • Gibt es ein Halter-Portal für Rechnungen und Befunde?

Bietet deine Praxis nichts davon an, sagt das nichts über die Behandlung. Eine Praxis ohne Online-Angebote kann genauso gut behandeln wie eine mit.

Weitere häufige Fragen zu digitalen Tierarztangeboten

Kann ich beim Tierarzt online einen Termin buchen?

Ja, wenn deine Praxis eine Praxissoftware mit Online-Terminbuchung nutzt. Schau auf die Website deiner Praxis oder frag am Empfang. Bei Notfällen rufst du an.

Kann ein Tierarzt per Video eine Diagnose stellen?

Nach den Empfehlungen der Bundestierärztekammer ist per Video höchstens eine Verdachtsdiagnose möglich. Eine abschließende Diagnose setzt eine Untersuchung voraus.

Bekomme ich nach einer Videosprechstunde ein Rezept?

Für verschreibungspflichtige Medikamente in der Regel nicht. Ausnahme sind Folgerezepte, wenn die Praxis deinen Hund vorher gründlich untersucht hat. Das verlangt das EU-Tierarzneimittelrecht.

Was kostet eine Videosprechstunde beim Tierarzt?

Tierärztinnen und Tierärzte rechnen nach der Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte ab, auch für Videotermine. Frag deine Praxis vorher nach dem Preis.

Ersetzt ein digitaler Impfpass den EU-Heimtierausweis?

Nein. Für Reisen in der EU brauchst du den EU-Heimtierausweis, ausgestellt von einer ermächtigten Tierärztin oder einem ermächtigten Tierarzt. Eine Übersicht im Halter-Portal ersetzt ihn nicht.

Was ist der Unterschied zwischen einem Online-Tierarzt und der Videosprechstunde meiner Praxis?

In der Videosprechstunde deiner Praxis spricht meist jemand mit dir, der deinen Hund schon untersucht hat und seine Akte vor sich hat. Bei einem reinen Online-Tierarztdienst ist das in der Regel nicht der Fall. Für Folgerezepte ist genau diese vorherige Untersuchung entscheidend.

Fazit: Was digitale Tierarztangebote für dich bedeuten

Online-Termin, Anamnesebogen und Halter-Portal sparen dir Zeit an Stellen, an denen Zeit bisher verloren ging: am Telefon, im Wartezimmer, beim Suchen nach Rechnungen. Die Videosprechstunde ist eine Ergänzung für Rückfragen und Kontrollen bei einer Praxis, die deinen Hund kennt. Was keines dieser Angebote ersetzt, ist die Untersuchung: Diagnose und Rezept gibt es erst, wenn jemand deinen Hund angefasst hat. Wer das weiß, nutzt die digitalen Wege für das, was sie können. So bleibt die Enttäuschung aus, wenn der Online-Termin bei einem kranken Hund nicht weiterhilft.

Achtung: Ich erstelle meine Beiträge mit großer Sorgfalt, kann aber keine Gewähr für Richtigkeit und Vollständigkeit übernehmen. Sie dienen der allgemeinen Information von Hundehalterinnen und Hundehaltern und ersetzen keine persönliche Beratung, Untersuchung oder Diagnose durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt. Wende dich bei Fragen zur Gesundheit deines Hundes, etwa zu Risiken und Nebenwirkungen von Medikamenten oder Futtermitteln, immer an eine Tierarztpraxis deines Vertrauens.

Quellen

  • YouGov-Umfrage im Auftrag der Tierarztkette Rex, berichtet von ZZA: Yougov-Studie: Tierarzt-Termine sind für Berufstätige oft problematisch, 9. Juli 2026
  • Bitkom: Zwei Drittel vereinbaren Arzttermine online, Presseinformation vom 22. Dezember 2025
  • Uelzener Versicherungen: Haustier-Studie 2026, Pressemitteilung vom 6. Oktober 2026
  • Bundestierärztekammer: Empfehlungen zur Anwendung der veterinärmedizinischen Telemedizin, 1. April 2020
  • Verordnung (EU) 2019/6 über Tierarzneimittel, Artikel 105 Absatz 3
  • Gebührenordnung für Tierärztinnen und Tierärzte (GOT), § 1
  • Europäische Union, Portal „Ihr Europa“: Reisen mit Haustieren und anderen Tieren in der EU, abgerufen am 26. Oktober 2026
  • Datenschutz-Grundverordnung, Artikel 4 Nr. 1
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Christina Williger

Christina Williger
Ernährungsberaterin für Hunde & Katzen | Autorin | Gründerin von Hund-als-Haustier.de

Tiere sind seit jeher ein zentraler Teil meines Lebens. Durch meine langjährige Erfahrung mit verschiedenen Haustieren sowie fast 20 Jahre im Pferdesport und Hundesport habe ich ein tiefes Verständnis für ihre Bedürfnisse entwickelt. Die gesundheitlichen Herausforderungen meines Hundes Aragon haben mich dazu bewegt, mich intensiv mit Tierernährung zu beschäftigen und mich zur zertifizierten Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen weiterzubilden. Heute teile ich mein Wissen und meine Erfahrung in Büchern, Ratgebern und Fachartikeln rund um die artgerechte Tierhaltung sowie die Ernährung von Hunden und Katzen.