Kau­ar­ti­kel für Hun­de: Wel­che Sor­ten es gibt, was zu Dei­nem Hund passt und wor­an Du gute Qua­li­tät erkennst

Kau­en ist für Hun­de kein Zeit­ver­treib, son­dern ein Grund­be­dürf­nis. Ein Hund, der regel­mä­ßig etwas zu kau­en bekommt, ist aus­ge­gli­che­ner, beschäf­tigt sich sinn­voll und pflegt neben­bei sei­ne Zäh­ne. Ein Hund, dem das fehlt, sucht sich Alter­na­ti­ven – und die hei­ßen dann Tisch­bein, Schuh oder Fern­be­die­nung.

Das Ange­bot an Kau­ar­ti­keln ist in den letz­ten Jah­ren enorm gewach­sen. Zwi­schen Rin­der­kopf­haut, Kanin­chen­ohr, Och­sen­zie­mer, Geweih­stück und bunt gefärb­ten Kau­kno­chen aus dem Super­markt lie­gen Wel­ten – bei Ver­träg­lich­keit, Kau­dau­er, Kalo­rien­ge­halt und vor allem bei der Her­stel­lungs­qua­li­tät. In die­sem Rat­ge­ber zei­ge ich Dir, wel­che Kau­ar­ti­kel es gibt, wel­che zu Dei­nem Hund pas­sen, wor­an Du gute Ware erkennst und wo die Risi­ken lie­gen.

Kauartikel für Hunde: Welche Sorten es gibt, was zu Deinem Hund passt und woran Du gute Qualität erkennst
Kau­ar­ti­kel für Hun­de: Wel­che Sor­ten es gibt, was zu Dei­nem Hund passt und wor­an Du gute Qua­li­tät erkennst

Das Wich­tigs­te in Kür­ze zu Hun­de-Kau­ar­ti­keln

Kau­ar­ti­kel für Hun­de sind getrock­ne­te Tier­pro­duk­te wie Rin­der­kopf­haut, Och­sen­zie­mer oder Kanin­chen­oh­ren, die das natür­li­che Kau­be­dürf­nis befrie­di­gen, Stress abbau­en und die Zahn­rei­ni­gung unter­stüt­zen. Gute Kau­ar­ti­kel bestehen aus einer ein­zi­gen Zutat, sind ohne Zusatz­stof­fe scho­nend getrock­net und wer­den in Här­te und Grö­ße an Alter und Kau­stil des Hun­des ange­passt.

  • Kau­ar­ti­kel soll­ten zusam­men mit ande­ren Snacks nicht mehr als 10 % der täg­li­chen Ener­gie­men­ge aus­ma­chen
  • Für Wel­pen im Zahn­wech­sel (4.–7. Monat) eig­nen sich nur wei­che Kau­ar­ti­kel wie Kanin­chen­oh­ren oder Pan­sen­strei­fen
  • Stein­har­te Kau­ar­ti­kel wie Geweih, Kno­chen oder Hufe ver­ur­sa­chen Zahn­frak­tu­ren – Tier­ärz­te sehen die­se Ver­let­zun­gen regel­mä­ßig
  • Luft­ge­trock­ne­te Kau­ar­ti­kel behal­ten mehr Struk­tur und ent­hal­ten kei­ne Kon­ser­vie­rungs­stof­fe, im Gegen­satz zu vie­len ofen­ge­trock­ne­ten oder che­misch behan­del­ten Pro­duk­ten
  • Ein Hund soll­te beim Kau­en nie unbe­auf­sich­tigt blei­ben, weil Rest­stü­cke ver­schluckt wer­den kön­nen

War­um brau­chen Hun­de Kau­ar­ti­kel?

Hun­de brau­chen Kau­ar­ti­kel, weil Kau­en ein ange­bo­re­nes Ver­hal­ten ist, das den Stress­pe­gel senkt, die Kie­fer­mus­ku­la­tur bean­sprucht und mecha­nisch Zahn­be­lag abreibt. Ein Hund ohne Kau­mög­lich­keit sucht sich Ersatz­ob­jek­te, ent­wi­ckelt Lan­ge­wei­le-Ver­hal­ten oder kaut aus Frust an eige­nen Pfo­ten.

Beim Kau­en schüt­tet der Hun­de­kör­per Endor­phi­ne aus. Das ist der Grund, war­um vie­le Hun­de nach einer inten­si­ven Kau­ein­heit sicht­bar ent­spann­ter sind – ich nut­ze das gezielt in Situa­tio­nen, die mei­nen Hun­den schwer­fal­len: Gewit­ter, Besuch, die ers­ten Minu­ten nach dem Allein­las­sen. Ein Kau­ar­ti­kel, der 20 bis 30 Minu­ten beschäf­tigt, ersetzt in sol­chen Momen­ten kein Trai­ning, über­brückt aber die kri­ti­sche Pha­se.

Der zwei­te Nut­zen ist mecha­nisch. Beim Kau­en rei­ben Fasern und Ober­flä­chen an den Zäh­nen und tra­gen wei­chen Zahn­be­lag ab, bevor er zu Zahn­stein ver­här­tet. Kau­ar­ti­kel erset­zen das Zäh­ne­put­zen nicht – das leis­ten nur Bürs­te und Hun­de­zahn­pas­ta –, aber sie sind eine sinn­vol­le Ergän­zung, vor allem für die hin­te­ren Backen­zäh­ne, an die Du mit der Bürs­te schlecht her­an­kommst.

Der drit­te Nut­zen ist die Beschäf­ti­gung. Ein Hund, der an einem Och­sen­zie­mer arbei­tet, ist geis­tig und kör­per­lich gefor­dert. Das ist kein Ersatz für Spa­zier­gän­ge, aber eine Mög­lich­keit, an Regen­ta­gen, bei Krank­heit oder nach einer Ope­ra­ti­on Aus­las­tung zu schaf­fen, ohne den Hund zu bewe­gen.

Wel­che Kau­ar­ti­kel für Hun­de gibt es?

Kau­ar­ti­kel für Hun­de las­sen sich in 4 Grup­pen ein­tei­len: wei­che Kau­ar­ti­kel (Kanin­chen­oh­ren, Pan­sen, Lun­ge), mit­tel­har­te Kau­ar­ti­kel (Rin­der­kopf­haut, Och­sen­zie­mer, Seh­nen), har­te Kau­ar­ti­kel (Geweih, Kno­chen, Hufe) und pflanz­li­che Alter­na­ti­ven (Kaf­fee­holz, Oli­ven­holz, Kau­wur­zeln). Die Här­te bestimmt Kau­dau­er, Eig­nung und Risi­ko.

Kau­ar­ti­kelHär­teKau­dau­er (mit­tel­gro­ßer Hund)Geeig­net fürBeson­der­heit
Kanin­chen­oh­renweich2–5 Minu­tenWel­pen, Senio­ren, klei­ne Hun­deMit Fell erhält­lich, sehr fett­arm
Pan­sen (getrock­net)weich3–10 Minu­tenAlle Hun­deInten­si­ver Geruch, hohe Akzep­tanz
Rin­der­lun­geweich2–5 Minu­tenÜber­ge­wich­ti­ge Hun­deSehr kalo­rien­arm, brö­selt
Kanin­chen­kopf­haut / Rin­der­kopf­hautmit­tel15–45 Minu­tenErwach­se­ne Hun­deKlas­si­ker, quillt leicht auf
Och­sen­zie­mermit­tel bis hart20–60 Minu­tenKräf­ti­ge Kau­erHoher Fett­ge­halt, nur in Maßen
Rin­der­seh­nen / Achil­les­seh­nenmit­tel10–30 Minu­tenAlle erwach­se­nen Hun­deFas­rig, gut für Zahn­rei­ni­gung
Strau­ßen­seh­nenmit­tel10–20 Minu­tenAll­er­gi­kerExo­ti­sche Pro­te­in­quel­le
Hirsch­ge­weihsehr hartStun­den bis WochenNicht emp­foh­lenZahn­frak­tur­ri­si­ko
Kaf­fee­holz / Oli­ven­holzhart, fas­rigWochenKau­er, die split­tern dür­fenKalo­rien­frei, kei­ne tie­ri­schen Pro­te­ine

Inner­halb die­ser Grup­pen unter­schei­den sich die Pro­duk­te vor allem nach Tier­art. Für Hun­de mit Fut­ter­mit­tel­un­ver­träg­lich­kei­ten sind Kau­ar­ti­kel aus einer ein­zi­gen, sel­te­nen Pro­te­in­quel­le wich­tig – Pferd, Strauß, Kän­gu­ru oder Kanin­chen –, damit der Kau­ar­ti­kel nicht die Aus­schluss­di­ät sabo­tiert. Ein Hund auf rei­ner Pfer­de­di­ät, der neben­bei Rin­der­kopf­haut bekommt, lie­fert kei­ne aus­wert­ba­ren Ergeb­nis­se.

Wor­an erkennst Du hoch­wer­ti­ge Kau­ar­ti­kel?

Hoch­wer­ti­ge Kau­ar­ti­kel bestehen aus einer ein­zi­gen dekla­rier­ten Zutat, sind ohne Kon­ser­vie­rungs­stof­fe, Farb­stof­fe oder Aro­men her­ge­stellt und stam­men von Her­stel­lern, die die Her­kunft des Flei­sches und das Trock­nungs­ver­fah­ren offen­le­gen. Die Ver­pa­ckung nennt Tier­art, Kör­per­teil und Her­kunfts­land. Fehlt eine die­ser Anga­ben, ist das Pro­dukt nicht trans­pa­rent.

Die 5 Kri­te­ri­en, die ich beim Ein­kauf prü­fe:

  1. Eine Zutat, klar benannt. „Rin­der­kopf­haut“ ist eine Dekla­ra­ti­on. „Kau­ar­ti­kel aus tie­ri­schen Neben­er­zeug­nis­sen“ ist kei­ne.
  2. Kei­ne Zusatz­stof­fe. Ein Kau­ar­ti­kel braucht weder Rauch­salz noch Gly­ce­rin, Sor­bat oder Farb­stoff. Alles davon auf der Zuta­ten­lis­te ist ein Aus­schluss­kri­te­ri­um.
  3. Das Trock­nungs­ver­fah­ren. Luft­trock­nung bei nied­ri­gen Tem­pe­ra­tu­ren über meh­re­re Tage erhält die Struk­tur und den Eigen­ge­schmack des Flei­sches. Ofen­trock­nung bei hoher Tem­pe­ra­tur geht schnel­ler, macht das Pro­dukt aber här­ter und sprö­der. Räu­chern bringt Aro­ma­stof­fe ins Pro­dukt, die nicht jeder Hund ver­trägt.
  4. Her­kunft und Pro­duk­ti­ons­ort. Her­stel­ler wie Esca­pu­re pro­du­zie­ren ihre Kau­ar­ti­kel luft­ge­trock­net in Deutsch­land und legen offen, woher das Fleisch stammt – das ist der Trans­pa­renz­stan­dard, den Du an jedes Pro­dukt anle­gen soll­test. Bei Import­wa­re aus Fern­ost ohne Her­stel­ler­an­ga­be kannst Du weder Hygie­ne noch Roh­stoff­qua­li­tät nach­voll­zie­hen.
  5. Geruch und Optik. Ein guter Kau­ar­ti­kel riecht nach dem, was er ist, und nicht nach Rauch oder Che­mie. Er ist matt und tro­cken, nicht glän­zend oder kleb­rig. Wei­ße Abla­ge­run­gen oder Schim­mel­fle­cken sind ein Grund, die Packung zurück­zu­ge­ben.

Ein Pra­xis­feh­ler, den ich immer wie­der sehe: Der Preis wird als Qua­li­täts­maß genom­men. Ein teu­rer, auf­wen­dig ver­pack­ter Kau­ar­ti­kel aus dem Super­markt kann gefärb­te, gepress­te Rin­der­haut mit Gly­ce­rin sein. Ein unschein­ba­rer Kanin­chen­kopf aus der Flei­sche­rei-Manu­fak­tur ist das bes­se­re Pro­dukt. Die Zuta­ten­lis­te zählt, nicht die Ver­pa­ckung.

Wel­cher Kau­ar­ti­kel passt zu wel­chem Hund?

Der pas­sen­de Kau­ar­ti­kel rich­tet sich nach Alter, Grö­ße, Gebiss­zu­stand und Kau­stil des Hun­des. Wel­pen und Senio­ren brau­chen wei­che Kau­ar­ti­kel, kräf­ti­ge Kau­er mit­tel­har­te, fas­ri­ge Pro­duk­te, und Hun­de mit Zahn­pro­ble­men soll­ten nur nach Rück­spra­che mit dem Tier­arzt kau­en. Der Kau­ar­ti­kel muss außer­dem grö­ßer sein als die Maul­öff­nung, damit er nicht am Stück ver­schluckt wird.

Wel­pen (bis 7 Mona­te): Im Zahn­wech­sel zwi­schen dem 4. und 7. Lebens­mo­nat sind die Milch­zäh­ne locker und die neu­en Zäh­ne noch nicht aus­ge­här­tet. Har­te Kau­ar­ti­kel scha­den hier. Kanin­chen­oh­ren, wei­che Pan­sen­strei­fen oder ein gekühl­ter Kong beschäf­ti­gen und lin­dern den Juck­reiz im Zahn­fleisch, ohne die Zäh­ne zu belas­ten.

Erwach­se­ne Hun­de: Ab dem voll­stän­di­gen Zahn­wech­sel darf der Hund mit­tel­har­te Kau­ar­ti­kel bekom­men. Rin­der­kopf­haut, Seh­nen und Kanin­chen­kopf­haut sind die Basis. Och­sen­zie­mer nur für Hun­de, die nicht abneh­men müs­sen – ein 20-Zen­ti­me­ter-Stück ent­hält je nach Fett­an­teil 150 bis 250 Kilo­ka­lo­rien.

Senio­ren (ab 8 Jah­ren, je nach Ras­se): Das Gebiss älte­rer Hun­de ist oft vor­ge­schä­digt, die Zäh­ne abge­nutzt, das Zahn­fleisch emp­find­lich. Wei­che Kau­ar­ti­kel wie Lun­ge, Pan­sen oder Kanin­chen­oh­ren bie­ten Beschäf­ti­gung ohne Frak­tur­ri­si­ko.

Klei­ne Hun­de unter 10 Kilo­gramm: Sie haben klei­ne­re Zäh­ne und weni­ger Kie­fer­kraft, kau­en aber genau­so gern. Dün­ne Seh­nen, Kanin­chen­oh­ren oder klei­ne Kopf­haut­stü­cke pas­sen. Ver­mei­de alles, was in ver­schluck­ba­re Stü­cke zer­bricht.

Schlin­ger: Man­che Hun­de kau­en nicht, son­dern zer­bei­ßen den Kau­ar­ti­kel in Bro­cken und schlu­cken. Für die­se Hun­de eig­nen sich nur sehr gro­ße, fas­ri­ge Stü­cke, die nicht abbre­chen – oder Du hältst den Kau­ar­ti­kel wäh­rend des Kau­ens fest, bis er klein genug ist, um ihn weg­zu­neh­men.

All­er­gi­ker und Hun­de in Aus­schluss­di­ät: Nur Kau­ar­ti­kel aus der Pro­te­in­quel­le, die der Hund ohne­hin bekommt. Pferd, Strauß, Kän­gu­ru und Kanin­chen sind die übli­chen Alter­na­ti­ven zu Rind und Huhn.

Wie oft und wie lan­ge darf Dein Hund kau­en?

Ein erwach­se­ner Hund kann täg­lich einen Kau­ar­ti­kel bekom­men, solan­ge Kau­ar­ti­kel und Snacks zusam­men nicht mehr als 10 % sei­ner täg­li­chen Ener­gie­men­ge aus­ma­chen und die Haupt­mahl­zeit ent­spre­chend redu­ziert wird. Eine Kau­ein­heit soll­te 15 bis 45 Minu­ten dau­ern; danach nimmst Du den Rest weg, bevor er zu klein wird.

Die 10-Pro­zent-Regel ist der Punkt, den die meis­ten Hun­de­hal­ter unter­schät­zen. Kau­ar­ti­kel sind Lebens­mit­tel. Ein Och­sen­zie­mer für einen 15-Kilo­gramm-Hund deckt je nach Grö­ße ein Vier­tel bis ein Drit­tel sei­nes Tages­be­darfs. Wer das nicht vom Fut­ter abzieht, hat nach 6 Mona­ten einen über­ge­wich­ti­gen Hund und wun­dert sich.

In der Pra­xis emp­feh­le ich, den Wochen­be­darf an Kau­ar­ti­keln zu pla­nen: Zum Bei­spiel 3 kalo­rien­ar­me Kau­ar­ti­kel (Lun­ge, Kanin­chen­ohr) und 2 gehalt­vol­le­re (Kopf­haut, Seh­ne) pro Woche für einen nor­mal­ge­wich­ti­gen, akti­ven Hund. Bei über­ge­wich­ti­gen Hun­den ersetzt Du alles Fett­rei­che durch Lun­ge und Kaf­fee­holz.

Die Kau­dau­er begrenzt Du aus 2 Grün­den: Zum einen wird ein Kau­ar­ti­kel, der zu klein gewor­den ist, am Stück ver­schluckt. Zum ande­ren führt stun­den­lan­ges Kau­en an einem har­ten Objekt zu Abrieb an den Zäh­nen. Ein Kau­ar­ti­kel, der so groß ist, dass er in einer Sit­zung nicht geschafft wird, kommt zurück in den Kühl­schrank oder wird ent­sorgt.

Wel­che Kau­ar­ti­kel sind ris­kant?

Ris­kant sind alle Kau­ar­ti­kel, die här­ter sind als der Zahn­schmelz des Hun­des, die in scharf­kan­ti­ge Stü­cke split­tern oder die che­misch behan­delt wur­den. Dazu zäh­len Geweih, Hufe, gegar­te Kno­chen, gepress­te Rin­der­haut (Rawhide) mit Gly­ce­rin und Farb­stof­fen sowie gefärb­te oder aro­ma­ti­sier­te Kau­kno­chen aus dem Dis­coun­ter.

Hirsch­ge­weih und Hufe: Bei­de sind här­ter als Zahn­schmelz. Der Reiß­zahn (der gro­ße obe­re Backen­zahn) bricht bei har­tem Zubei­ßen an sol­chen Objek­ten ab – eine Ver­let­zung, die Tier­ärz­te als „Slab Frac­tu­re“ ken­nen und regel­mä­ßig behan­deln. Die Zahn­frak­tur ist schmerz­haft, oft von außen nicht sicht­bar und endet meist mit der Extrak­ti­on des Zahns.

Gegar­te Kno­chen: Erhitz­te Kno­chen wer­den sprö­de und split­tern in Nadeln, die Spei­se­röh­re und Darm ver­let­zen kön­nen. Rohe flei­schi­ge Kno­chen sind ein eige­nes The­ma und gehö­ren nicht in die­sen Rat­ge­ber.

Gepress­te Rin­der­haut („Rawhide“): Die­se Pro­duk­te wer­den in meh­re­ren Schrit­ten che­misch ent­haart, gebleicht, gepresst und oft gefärbt. Sie quel­len im Magen stark auf und lösen sich nur lang­sam. Ver­schluck­te Stü­cke kön­nen den Darm blo­ckie­ren. Ich rate von Rawhide grund­sätz­lich ab.

Gefärb­te und aro­ma­ti­sier­te Kau­kno­chen: Alles, was nach Bacon oder Käse schme­cken soll, aber kei­nen Speck und kei­nen Käse ent­hält, arbei­tet mit Aro­ma­stof­fen. Vie­le Hun­de ver­tra­gen das, man­che reagie­ren mit Durch­fall oder Juck­reiz. Nötig ist es nie.

Schwei­ne­haut und Schwei­neoh­ren: Nicht gefähr­lich, aber sehr fett­reich. Für Hun­de mit emp­find­li­cher Bauch­spei­chel­drü­se oder Über­ge­wicht unge­eig­net.

Wie führst Du Kau­ar­ti­kel sicher ein?

Kau­ar­ti­kel führst Du ein, indem Du mit einem wei­chen, klei­nen Pro­dukt beginnst, den Hund wäh­rend der ers­ten 3 bis 5 Kau­ein­hei­ten durch­ge­hend beauf­sich­tigst und die Här­te erst stei­gerst, wenn der Hund ruhig kaut statt zu schlin­gen. Nach jedem neu­en Kau­ar­ti­kel prüfst Du 24 Stun­den lang die Kot­kon­sis­tenz.

Kon­kret läuft das bei mir so ab:

  1. Ers­ter Kau­ar­ti­kel: weich und klein. Ein Kanin­chen­ohr oder ein Pan­sen­strei­fen. Du beob­ach­test, ob der Hund kaut oder schlingt.
  2. Ruhi­gen Kau­platz fest­le­gen. Ein Hund, der beim Kau­en von Kin­dern oder ande­ren Hun­den bedrängt wird, ver­tei­digt sei­ne Beu­te oder schlingt sie her­un­ter. Die Decke im Neben­zim­mer oder die Box sind der bes­se­re Ort.
  3. Kau­ar­ti­kel fest­hal­ten, wenn nötig. Bei Schlin­gern hältst Du das Ende fest, damit der Hund kau­en muss, statt Stü­cke abzu­bei­ßen.
  4. Rest weg­neh­men, bevor er ver­schluck­bar wird. Als Faust­re­gel: Wenn das Stück in den Rachen passt, ist es zu klein.
  5. Ver­träg­lich­keit prü­fen. Wei­cher Kot oder Blä­hun­gen nach einem neu­en Kau­ar­ti­kel bedeu­ten: Por­ti­on hal­bie­ren oder Sor­te wech­seln.
  6. Här­te lang­sam stei­gern. Erst wenn wei­che Kau­ar­ti­kel pro­blem­los funk­tio­nie­ren, fol­gen Kopf­haut oder Seh­nen.

Ein typi­scher Feh­ler ist, dem Hund gleich am ers­ten Tag einen gan­zen Och­sen­zie­mer hin­zu­le­gen und ihn dann allein zu las­sen. Wenn die­ser Hund den Kau­ar­ti­kel nach 20 Minu­ten mit einem 5‑Zen­ti­me­ter-Rest her­un­ter­schluckt, ist nie­mand da, der es merkt.

Häu­fi­ge Fra­gen zu Kau­ar­ti­keln für Hun­de

Ab wann darf ein Wel­pe Kau­ar­ti­kel bekom­men?

Ein Wel­pe darf ab dem Ein­zug wei­che Kau­ar­ti­kel wie Kanin­chen­oh­ren oder Pan­sen­strei­fen bekom­men. Mit­tel­har­te Kau­ar­ti­kel wie Rin­der­kopf­haut oder Seh­nen sind erst nach dem voll­stän­di­gen Zahn­wech­sel sinn­voll, also ab dem 7. bis 8. Lebens­mo­nat, wenn die blei­ben­den Zäh­ne aus­ge­här­tet sind.

Wie vie­le Kau­ar­ti­kel darf ein Hund pro Tag bekom­men?

Ein Hund darf pro Tag einen Kau­ar­ti­kel bekom­men, solan­ge Kau­ar­ti­kel und Lecker­lis zusam­men nicht mehr als 10 % sei­ner täg­li­chen Ener­gie­men­ge lie­fern. Bei fett­rei­chen Kau­ar­ti­keln wie Och­sen­zie­mer oder Schwei­neoh­ren ist ein Stück pro Woche aus­rei­chend; kalo­rien­ar­me Lun­ge oder Kanin­chen­oh­ren sind täg­lich mög­lich.

Erset­zen Kau­ar­ti­kel das Zäh­ne­put­zen beim Hund?

Nein. Kau­ar­ti­kel tra­gen wei­chen Zahn­be­lag mecha­nisch ab, errei­chen aber weder die Zahn­fleisch­rän­der noch die Innen­sei­ten der Zäh­ne. Die Zahn­bürs­te mit Hun­de­zahn­pas­ta bleibt die ein­zi­ge Metho­de, die alle Zahn­flä­chen rei­nigt. Kau­ar­ti­kel sind eine Ergän­zung, beson­ders für die hin­te­ren Backen­zäh­ne.

Sind Kau­ar­ti­kel aus dem Aus­land schlech­ter?

Nicht auto­ma­tisch, aber schwe­rer zu prü­fen. Bei Kau­ar­ti­keln ohne Anga­be von Her­stel­ler, Her­kunfts­land und Trock­nungs­ver­fah­ren kannst Du weder Hygie­ne­stan­dards noch Roh­stoff­qua­li­tät nach­voll­zie­hen. Pro­duk­te, die in Deutsch­land oder der EU unter Lebens­mit­tel­stan­dard getrock­net wer­den, sind in der Regel trans­pa­rent dekla­riert und nach­ver­folg­bar.

Was tun, wenn der Hund ein gro­ßes Stück Kau­ar­ti­kel ver­schluckt hat?

Wenn Dein Hund ein gro­ßes Stück ver­schluckt hat, beob­ach­test Du ihn 24 bis 48 Stun­den auf Wür­gen, Erbre­chen, Bauch­schmer­zen, Appe­tit­lo­sig­keit oder aus­blei­ben­den Kotab­satz. Tritt eines die­ser Sym­pto­me auf, gehst Du sofort zum Tier­arzt. Bei Rawhide, Kno­chen­stü­cken oder sehr har­ten Kau­ar­ti­keln ist ein Anruf beim Tier­arzt auch ohne Sym­pto­me sinn­voll.

Wel­che Kau­ar­ti­kel eig­nen sich für Hun­de mit All­er­gien?

Für Hun­de mit Fut­ter­mit­tel­un­ver­träg­lich­keit eig­nen sich Kau­ar­ti­kel aus einer ein­zi­gen Pro­te­in­quel­le, die der Hund nach­weis­lich ver­trägt – meist Pferd, Strauß, Kän­gu­ru oder Kanin­chen. Wich­tig ist eine voll­stän­di­ge Dekla­ra­ti­on, damit kei­ne ver­steck­ten Pro­te­ine aus Rind oder Huhn ent­hal­ten sind.

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Christina Williger

Christina Williger
Ernährungsberaterin für Hunde & Katzen | Autorin | Gründerin von Hund-als-Haustier.de

Tiere sind seit jeher ein zentraler Teil meines Lebens. Durch meine langjährige Erfahrung mit verschiedenen Haustieren sowie fast 20 Jahre im Pferdesport und Hundesport habe ich ein tiefes Verständnis für ihre Bedürfnisse entwickelt. Die gesundheitlichen Herausforderungen meines Hundes Aragon haben mich dazu bewegt, mich intensiv mit Tierernährung zu beschäftigen und mich zur zertifizierten Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen weiterzubilden. Heute teile ich mein Wissen und meine Erfahrung in Büchern, Ratgebern und Fachartikeln rund um die artgerechte Tierhaltung sowie die Ernährung von Hunden und Katzen.