Wie sehen Hun­de?

Ein­mal die Welt durch die Augen eines Hun­des sehen? Das hat sich mit Sicher­heit jeder Hun­de­hal­ter schon min­des­tens ein­mal gewünscht. 

Wie sehen Hun­de die Welt eigent­lich? Wie sehen Hun­de uns Men­schen und wie gut kön­nen Hun­de über­haupt sehen? Stimmt es, dass Hun­de far­ben­blind sind? Wie gut sehen Hun­de in der Nacht?

Die­se Fra­gen beschäf­ti­gen auch die Wis­sen­schaft schon seit län­ge­rem und mitt­ler­wei­le konn­ten wir dadurch erstaun­li­ches über die Wahr­neh­mung unse­rer Hun­de her­aus­fin­den. In die­sem Arti­kel erfährst Du, wie Hun­de die Welt sehen und was es mit dem mys­te­riö­sen Tape­tum Luci­dum auf sich hat. 

Wir wün­schen Dir viel Freu­de beim Lesen die­ses Arti­kels!

Wie sehen Hun­de die Welt?

Bestimmt hast Du Dich beim Blick in die Augen Dei­nes Hun­des auch schon­mal gefragt: Wie neh­men Hun­de uns und ihre Umge­bung eigent­lich wahr? Fakt ist, dass das Sehen für Hun­de kei­ne so gro­ße Bedeu­tung spielt wie für uns Men­schen. Ihr Vor­teil ist der aus­ge­präg­te Geruchs­sinn, der sie durch die Welt manö­vriert. Wäh­rend Hun­de eher ver­schwom­men sehen und unbe­weg­te Gegen­stän­de kaum wahr­neh­men, ent­deckt ihr Auge blitz­schnell, wenn sich etwas in ihrem Sicht­feld bewegt. Ihre Wahr­neh­mung ist auf das früh­zei­ti­ge Erken­nen von Gefah­ren und den Tur­bo bei Wild­sich­tung aus­ge­legt — zumin­dest dann, wenn Dein Hund einen aus­ge­präg­ten Jagd­trieb hat. Dabei ist in Nasen- und Sicht­jä­ger zu unter­schei­den. Die meis­ten Jagd­hun­de neh­men Fähr­ten mit der Nase auf und ver­fol­gen die­se mit ihrem Geruchs­sinn. Die Seh­kraft ist dabei zweit­ran­gig. Wind­hun­de hin­ge­gen jagen tat­säch­lich mit dem Auge. Ihr Sicht­feld beträgt nicht wie bei ande­ren Hun­den 240 Grad son­dern gan­ze 290 Grad. Das liegt an der Kopf­form und der Posi­ti­on der Augen. Du siehst also, die Natur hat allen gege­ben was sie zum Über­le­ben brau­chen.

Wie sehen Hunde die Welt
Wie sehen Hun­de die Welt?

Wie ist das Auge des Hun­des auf­ge­baut?

Um bes­ser ver­ste­hen zu kön­nen, wie Hun­de sehen, wol­len wir Dir kurz den Auf­bau des Hun­de-Auges erklä­ren. Der licht­emp­find­lichs­te Teil des Auges ist die Netz­haut oder auch Reti­na genannt. Hier sit­zen die Zap­fen und Stäb­chen, die auch im mensch­li­chen Auge vor­zu­fin­den sind. 

Doch wofür haben wir über­haupt Zap­fen und Stäb­chen im Auge?

Dar­um die Zap­fen: 

Sie sind zustän­dig für die Farb­wahr­neh­mung und die Detail­an­sicht. Men­schen besit­zen ca. 5 % Zap­fen im Auge, Hun­de hin­ge­gen nur etwa 2 %. Das mensch­li­che Auge weist außer­dem drei Arten von Zap­fen auf, wes­halb die Farb­wahr­neh­mung deut­lich bes­ser ist als bei Hun­den, deren Augen nur zwei Arten von Zap­fen besit­zen. Du kannst Dir also schon unge­fähr vor­stel­len, in wel­che Rich­tung die Farb­wahr­neh­mung und Detail­an­sicht bei unse­ren Hun­den geht.

Des­halb die Stäb­chen: 

Sie sind zustän­dig für Bewe­gungs­wahr­neh­mung und Sicht bei schwa­chem Licht, zum Bei­spiel in der Däm­me­rung. Hier haben Hun­de einen deut­li­chen Vor­teil gegen­über uns Men­schen aber dazu spä­ter mehr!

Gut zu Wis­sen:

Auch wenn das Auge von Hund und Mensch sich im Auf­bau sehr ähnelt, gibt es ein paar deut­li­che Unter­schie­de. Hun­de besit­zen zum Bei­spiel ein “drit­tes Augen­lid”, die Nick­haut. Sie schützt das Auge und beför­dert Fremd­kör­per wie eine Art Schei­ben­wi­scher aus dem Auge her­aus. Prak­tisch, nicht? 

Hundeauge mit gut sichtbarer Nickhaut
Hun­de­au­ge mit gut sicht­ba­rer Nick­haut

Wie ist das Sicht­feld des Hun­des?

Das Sicht­feld eines Hun­des beträgt ca. 240 Grad (bei eini­gen Hun­de­ras­sen sogar bis zu 290 Grad). Beim Men­schen hin­ge­gen sind es nur ca. 200 Grad. Je nach Ras­se und Kopf­form kön­nen die Augen bei Hun­den unter­schied­lich posi­tio­niert sein. Dem­nach sehen nicht alle Hun­de von Natur aus gleich gut!

Das über­lap­pen­de Feld, in dem bei­de Augen scharf sehen ist bei Hun­den deut­lich klei­ner als beim Men­schen. Daher ist die räum­li­che Wahr­neh­mung beim Hund gerin­ger als beim Men­schen. Gene­rell ist das mit dem “scharf sehen” bei Hun­den so eine Sache, denn das kön­nen sie nicht wirk­lich gut. Sie haben eine viel gerin­ge­re Tie­fen­wahr­neh­mung als wir Men­schen und sehen auch im Nah­be­reich eher unscharf. Erst ab einer Ent­fer­nung von einem hal­ben Metern kön­nen sie Gegen­stän­de etwas schär­fer wahr­neh­men. Dann aber auch nur auf kur­ze Distanz.

Vergleich - Sichtfeld beim Hund und beim Mensch
Ver­gleich — Sicht­feld beim Hund und beim Mensch

Wie gut sehen Hun­de?

Auch wenn ande­re Sin­ne unse­rer Hun­de deut­lich schär­fer sind als unse­re eige­nen, kön­nen sie bei der Seh­kraft nicht auf allen Ebe­nen mit­hal­ten. Sie sehen tat­säch­lich 60 — 80 % schlech­ter als der Mensch. Ledig­lich bei der Wahr­neh­mung von Bewe­gun­gen und der Sicht bei schwa­chem Licht sind sie uns um Län­gen vor­aus. Die Auf­lö­sung in der Hun­de sehen ist eher grob­kör­nig. 

Aber war­um ist die Seh­kraft bei Hun­den so schwach aus­ge­prägt?

Das ist ganz ein­fach zu erklä­ren, weil Hun­de sich eher mit der Nase ori­en­tie­ren! Sie brau­chen weder die schärfs­te Sicht noch die bun­tes­ten Far­ben um ein Reh oder einen Hasen auf­zu­spü­ren. Dabei ver­las­sen sie sich fast aus­schließ­lich auf ihren Geruchs­sinn.

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Kön­nen Hun­de Far­ben sehen oder sind sie far­ben­blind?

Wel­che Far­ben sehen Hun­de? Der Mythos, Hun­de sei­en far­ben­blind hält sich hart­nä­ckig. Aber er ist und bleibt ein Mythos! Hun­den kön­nen Far­ben sehen, nur nicht alle. Ihre Farb­sicht lässt sich eher mit einer Rot-Grün-Schwä­che ver­glei­chen. Hun­de sehen dichro­ma­tisch, das bedeu­tet sie sehen haupt­säch­lich zwei Far­ben und zwar Gelb und Blau. Men­schen sehen trichro­ma­tisch. Das bedeu­tet drei­far­big, was uns ein viel brei­te­res Farb­spek­trum ver­leiht als dem Hund. Grün, Gelb, Oran­ge und Rot kön­nen Hun­de so gut wie gar nicht unter­schei­den. Sie neh­men aber Hell-Dun­kel-Kon­tras­te gut wahr. Gene­rell sind Far­ben für Hun­de aber eher irrele­vant, da sie sich mehr auf ihre ande­ren Sin­ne fokus­sie­ren und ver­las­sen.

Welche Farben können Hunde sehen
Wel­che Far­ben kön­nen Hun­de sehen?

Die Far­be, die Hun­de am bes­ten wahr­neh­men kön­nen ist Blau. 

Behal­te das unbe­dingt für euer gemein­sa­mes Trai­ning oder die Wahl eines neu­en Spiel­zeu­ges im Hin­ter­kopf! Einen grü­nen oder gel­ben Ten­nis­ball kann Dein Hund auf einer Wie­se schlecht erken­nen. Wenn er die Wahl hät­te, er wür­de sich mit Sicher­heit für ein blau­es Spiel­zeug ent­schei­den. Pro­bie­re es doch ein­fach mal aus. Lege dazu Dei­nem Hund drei ver­schie­den­far­bi­ge Spiel­zeu­ge vor die Nase und schau, für wel­ches er sich ent­schei­det. Sehr wahr­schein­lich wird es das blaue Spiel­zeug sein.

Blaue Spielzeuge sehen Hunde am besten
Blaue Spiel­zeu­ge sehen Hun­de am bes­ten

Wie weit kön­nen Hun­de sehen?

Hast Du ver­mu­tet, dass Hun­de wei­ter sehen kön­nen als wir? Da liegst Du falsch. Hun­de kön­nen auf wei­te Distanz über­haupt nicht gut sehen. Bereits ab fünf bis sechs Metern wird es für Hun­de schwer, hand­gro­ße Details zu erken­nen. Der Mensch sieht 3–4 Mal bes­ser Details auf Ent­fer­nung.

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Kön­nen Hun­de im Dun­keln gut sehen?

Wie sehen Hun­de nachts? Sie kön­nen im Dun­keln sehr gut sehen! Das liegt dar­an, dass Hun­de zwar weni­ger Zap­fen aber umso mehr Stäb­chen im Auge haben. Außer­dem hat das Hun­de­au­ge einen wei­te­ren Vor­teil, wel­cher ihm die gute Sicht bei Dun­kel­heit ermög­licht: Das soge­nann­te Tape­tum Luci­dum!

Was ist das Tape­tum Luci­dum?

Ganz hin­ten im Auge, in der Nähe der Reti­na, liegt das soge­nann­te Tape­tum Luci­dum, wel­ches dort am obe­ren Rand des Auges sitzt. Bekann­ter­wei­se sind Hun­de Beu­te­fän­ger und ihre Beu­te ist meis­tens auf dem Boden unter­wegs. Um sie in der Dun­kel­heit bes­ser aus­fin­dig machen zu kön­nen, hat die Natur ihnen qua­si eine Super­kraft ver­lie­hen. Das Tape­tum Luci­dum ver­stärkt das Licht, das ins Auge fällt. Qua­si wie eine Art Rest­licht­ver­stär­ker. Dadurch kön­nen Hun­de in der Däm­me­rung oder Dun­kel­heit deut­lich bes­ser sehen. Du kannst das Tape­tum Luci­dum im Auge Dei­nes Hun­des sogar selbst sehen. Wir ver­ra­ten Dir wie! 

Mache ein Foto mit Blitz von Dei­nem Hund. Viel­leicht ist Dir schon­mal auf­ge­fal­len, dass sei­ne Augen auf sol­chen Fotos grün reflek­tie­ren? Das ist das Tape­tum Luci­dum. Leuch­ten die Augen Dei­nes Hun­des hin­ge­gen rot, hat er die­se Super­kraft nicht. Hun­de mit hel­len Augen, wei­ßem Fell oder Mer­le­far­ben haben häu­fig kein Tape­tum Luci­dum und kön­nen dem­nach in der Däm­me­rung und Dun­kel­heit auch nicht so gut sehen!

Hunde sehen gut im Dunkeln dank Tapetum Lucidum
Hun­de sehen gut im Dun­keln dank Tape­tum Luci­dum

Wie sehen Hun­de Bewe­gung?

Bewe­gun­gen kön­nen Hun­de deut­lich bes­ser wahr­neh­men als wir Men­schen. Dafür ver­ant­wort­lich sind die vie­len Stäb­chen im Hun­de­au­ge. Auch wenn die Seh­schär­fe bei Hun­den im All­ge­mei­nen gerin­ger ist, so ist sie doch auf schnel­le Bewe­gun­gen opti­miert.

Ein Mensch benö­tigt etwa 16 bis 20 Bil­der pro Sekun­de, um eine flüs­si­ge Bewe­gung zu erken­nen. Hun­de benö­ti­gen dafür mehr als 70 Bil­der pro Sekun­de. Und das bringt uns auch schon zum nächs­ten Punkt.

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Kön­nen Hun­de fern­se­hen?

Ja klar kön­nen Hun­de fern­se­hen und eini­ge schei­nen es auch tat­säch­lich zu tun. Lang­sa­me Bewe­gun­gen mit weni­ger als 70 Bil­dern pro Sekun­de neh­men Hun­de aber eher wie eine Art Dau­men­ki­no wahr. Läuft der Fern­se­her, inter­es­sie­ren sich Hun­de meis­tens für die Din­ge, die sie im ech­ten Leben auch inter­es­sie­ren. Quiet­schi­ge Geräu­sche, Hun­de­ge­bell, Kat­zen, Vögel, Wild­tie­re. Schnel­le Bewe­gun­gen zie­hen auch vor dem Fern­se­her die Auf­merk­sam­keit unse­rer Hun­de auf sich. Ihre Auf­merk­sam­keits­span­ne ist dabei aller­dings sehr gering. Hun­de, die mit der Nase jagen, sind häu­fig nicht so sehr am fern­se­hen inter­es­siert wie Sicht­jä­ger — Logisch, oder?

Können Hunde fernsehen
Kön­nen Hun­de fern­se­hen?

Fazit: So sehen Hun­de die Welt und uns Men­schen

Viel­leicht hast Du ver­mu­tet, dass Hun­de bes­ser sehen kön­nen als wir Men­schen. Wie Du gera­de gelernt hast, trifft das aller­dings nicht auf alle Berei­che des Sehens zu.

Hun­de, die ein Tape­tum Luci­dum besit­zen, kön­nen in der Däm­me­rung und Dun­kel­heit tat­säch­lich bes­ser sehen. Das Tape­tum Luci­dum ist eine Art Resticht­ver­stär­ker, funk­tio­niert also auch nur wenn noch ein biss­chen Rest­licht vor­han­den ist. Das Auge des Hun­des ist auf schnel­le Bewe­gun­gen opti­miert. Zwar tut ein Hund sich schwer damit, ein Reh wel­ches in 50 Metern Ent­fer­nung still auf dem Feld steht, zu erken­nen. Bewegt es sich aber, wird sein Blick blitz­schnell fol­gen! Weder in der Nähe noch in der Fer­ne kön­nen Hun­de wirk­lich scharf sehen. Die Auf­lö­sung in der Hun­de die Welt um sich her­um wahr­neh­men ist eher grob­kör­nig. Ihre Farb­sicht lässt sich mit einer Rot-Grün-Schwä­che ver­glei­chen. Far­ben­blind sind Hun­de aber kei­nes­falls! Die Far­ben „Blau“ und „Gelb“ kön­nen sie am bes­ten sehen.

Im Gegen­satz zu uns Men­schen, ver­las­sen sich Hun­de weni­ger auf ihr Seh­ver­mö­gen, son­dern haupt­säch­lich auf ihren her­vor­ra­gen­den Geruchs­sinn. Die­ser ist so gut aus­ge­prägt, dass sie eine ver­schwom­me­ne Welt­an­schau­ung in ihrem All­tag gar nicht wei­ter stört.

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Christina Williger

Christina Williger
Ernährungsberaterin für Hunde & Katzen, Gründerin

Im Laufe meines Lebens hatte (und habe) ich schon unzählige Haustiere. Zudem war ich fast 20 Jahre lang im Pferdesport sowie im Hundesport aktiv. Meine Tierliebe veranlasste mich dazu, als Bloggerin & Autorin im Heimtierbereich tätig zu werden und meine langjährigen Erfahrungen und mein umfangreiches Wissen über Tiere mit anderen zu teilen. Inspiriert durch die gesundheitlichen Herausforderungen meines Hundes Aragon habe ich mich außerdem zur zertifizierten Ernährungsberaterin für Hunde und Katzen weitergebildet. Mit meinen Büchern und Blogs möchte ich das Bewusstsein für die Bedürfnisse unserer Haustiere schärfen, deren Lebensqualität nachhaltig verbessern und so zu einem harmonischeren Zusammenleben von Mensch und Tier beitragen.